Venezuelas Regierung geht gegen Spekulation vor

maduroanoche.jpg

Präsident Maduro bei seiner Ansprache am Sonntag
Präsident Maduro bei seiner Ansprache am Sonntag

Caracas. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat neue Maßnahmen gegen die Spekulation mit überhöhten Preisen in Supermärkten und Fachgeschäften des Landes angeordnet. Am vergangenen Freitag verfügte er die Besetzung mehrerer Filialen des Elektrowarenhändlers Daka durch die Bolivarischen Streitkräfte (FANB). "Ich habe angeordnet, dass diese Kette unverzüglich besetzt wird und die Produkte zu fairen Preisen an die Bevölkerung abgegeben werden", sagte Maduro im staatlichen Fernsehen.

Wie der Vorsitzende des Obersten Organs für die Wirtschaft (Órgano Superior de la Economía), Hebert García Plaza, bekanntgab, befinden sich mehrere Geschäftsführer von Daka-Filialen wegen des Vorwurfs des Wuchers in Untersuchungshaft. Bei Inspektionen mehrerer Filialen in Caracas seien überhöhte Preise festgestellt worden, die in Extremfällen bis zum 25-fachen des Importwertes der Produkte reichten, sagte García. So wurde etwa ein Kühlschrank für 196.000 venezolanische Bolívares angeboten, was ungefähr dem Preis eines neu gebauten Hauses aus der "Misión Vivienda Venezuela", dem Wohnbauprojekt der Regierung, entspreche. Präsident Maduro kündigte daraufhin an, die Regierungsbehörden würden künftig den Verkauf der Produkte zu staatlich festgelegten, am offiziellen Wechselkurs orientierten Preisen überwachen, "um das Volk vor der Spekulation zu schützen".

Venezuelas Minister für Ernährung, Félix Osorio, machte derweil einen weiteren Fall von wirtschaftlicher Sabotage bekannt. Im Unternehmen für Lebensmittelverpackung "Agropecuaria Sur América" im Bundesstaat Aragua sei Milchpulver gehamstert und dem Verkauf entzogen worden. Insgesamt hätten die Behörden fast 100 Tonnen Milchpulver vorgefunden, die auf diese Weise zurückgehalten wurden. Weitere 60 Tonnen seien irregulär zu überhöhten Preisen auf den Markt geworfen worden, so Osorio. Wie der Minister bekanntgab, werden diese nun beschlagnahmten Waren unter Aufsicht der Provinzregierung direkt an die Bevölkerung in den ärmeren Stadtvierteln verteilt.

Am Sonntagabend gab Maduro in einer landesweit übertragenen Ansprache weitere Maßnahmen bekannt. So sollen in dieser Woche landesweit Inspektionen in den Sektoren Lebensmittel, Textilien, Schuhe, Eisenwaren, Haushaltsgeräte, Spielzeuge und Fahrzeuge durchgeführt werden, um Wucher zu verhindern. Sobald das Bevollmächtigungsgesetz gegen die Korruption vom Parlament genehmigt sei, werde er außerdem Obergrenzen für Preise sowie verbindliche Prozentsätze für Gewinne festlegen und die Höchststrafen für Spekulation anheben. Maduro betonte, es gebe keine wirtschaftlichen Gründe für das Phänomen der Knappheit und die Aufblähung der Preise: "Der Hauptgrund ist politisch".

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr