Haiti

Kritik an sozialer Lage in Haiti

Nach Erdbeben wächst der Unmut über die Politik der Industriestaaten. Fidel Castro verweist auf Kolonialgeschichte. Text in voller Länge auf amerika21.de

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Kritik an sozialer Lage in Haiti
Völlige Zerstörung: Blick auf ein Armenviertel nach dem Beben

Havanna/Port-au-Prince. Wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mehrt sich international die Kritik an der Wirtschaftspolitik der Industriestaaten gegenüber Haiti. Auch in Deutschland forderten Vertreter der Opposition eine Änderung der Politik. Die fehlende Hilfe vor Ort sei eine Tragödie, komme aber nicht überraschend, sagte die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Heike Hänsel, im Gespräch mit amerika21.de. Auch der Westen habe aber mit seinen neoliberalen Entwicklungskonzepten dazu beigetragen, die staatlichen Strukturen in Haiti zu zerrütten und Entwicklung zu blockieren.

"Vor allem aber war es eine Fehlentscheidung der ehemaligen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, gegen den fraktionsübergreifenden Widerstand im Entwicklungsausschuss die bilaterale Zusammenarbeit mit Haiti 2007 zu beenden", so Hänsel.

Mitte der Woche hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle Hilfen für das Land in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro versprochen.

Auch der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei und Vorsitzende der Deutsch-Mittelamerikanischen Parlamentariergruppe, Wolfgang Gehrcke, bezeichnete die sozialen Probleme Haitis als "Spätfolgen des Kolonialismus, der Sklavenhaltergesellschaft und der neokolonialen Regime". Die Parteivorsitzende der Grünen, Claudia Roth, unterstützte die Idee einer internationalen Geberkonferenz für Haiti.

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In einem Essay ging Kubas ehemaliger Staats- und Regierungschef Fidel Castro indes auf die Geschichte Haitis ein. "Nur sehr wenige halten sich mit dem Gedanken darüber auf, warum Haiti ein so armes Land ist", heiß es in dem Text: "Warum ist seine Bevölkerung zu fast 50 Prozent von den Überweisungen Verwandter abhängig, die im Ausland leben? Warum analysiert man nicht auch die realen Umstände, die zur aktuellen Lage Haitis und zu seinen enormen Leiden geführt haben?"

Fidel Castro kommt zu dem Schluss: "Haiti ist ein Produkt des Kolonialismus und des Imperialismus, ein Produkt des Jahrhunderte währenden Missbrauchs seiner Menschen für die härtesten Arbeiten, ein Produkt von Militärinterventionen und der Ausbeutung seiner Reichtümer."

Amerika21.de dokumentiert erstmals in voller Länger den Text von Fidel Castro, den Sie hier finden. Wir danken unserem Mitarbeiter Klaus E. Lehmann für die Übersetzung.


Bildquelle: UNDP

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