Bolivien / USA / Politik / Militär

Morales greift Washington in OAS an

Kritische Rede des bolivianischen Präsidenten im Beisein von US-Verteidigungsminister Gates. Generalsekretär Insulza lobt Bolivien

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Morales am Rednerpult bei der OAS-Tagung
Boliviens Präsident Evo Morales während seiner Rede am Dienstag

Santa Cruz. Der bolivianische Präsident Evo Morales hat die USA beschuldigt, den versuchten Staatsstreich in Venezuela 2002 und den Putsch in Honduras 2009 unterstützt zu haben. Auch habe Washington die Umsturzversuche in Bolivien 2008 und Ecuador 2010 maßgeblich unterstützt, sagte er bei der Eröffnung der 10. Konferenz der Verteidigungsminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in dem Departement Santa Cruz im Osten des Landes.

Besondere Bedeutung bekam die Kritik, die auch von den befreundeten Präsidenten Hugo Chávez (Venezuela) und Rafael Correa (Ecuador) bei anderen Gelegenheiten wiederholt geäußert worden war, durch die Teilnahme des US-Verteidigungsministers Robert Gates an der Tagung. Er verfolgte die Rede ohne sichtbare Regung.

Offensichtlich wandte sich Morales direkt an den ehemaligen CIA-Chef Gates, nannte ihn aber nicht namentlich. Bezüglich der vier erwähnten Destabilisierungsversuche der Region sagte Morales: "Die USA haben uns in Honduras geschlagen, das nordamerikanische Empire hat uns geschlagen. Aber die Menschen Amerikas haben in Venezuela, Bolivien und Ecuador gewonnen."

In Lateinamerika habe es immer Staatsstreiche gegeben, sagte Morales weiter. Ausgenommen seien nur die USA. "Der Grund dafür ist, dass es in den USA selbst keine US-Botschaft gibt", so Morales in Anspielung auf einen entsprechenden Witz. Tatsächlich gilt die diplomatische Vertretung der Vereinigten Staaten in Bolivien als eine der wichtigsten Stützen der rechten Opposition, als sie 2008 versuchte, Morales zu stürzen. Der Präsident verwies daraufhin am 11. September 2008 den US-Botschafter Philip Goldberg des Landes.

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Morales bekräftigte in seiner Rede das Recht seines Landes, Beziehungen mit jedem Staat der Welt einzugehen. Damit ging er auf eine Stellungnahme Gates´ ein. Dieser hatte vor dem Treffen der OAS-Minister vor einer zu engen Verbindung gewarnt. Zwar könne jeder Staat seine Partner frei wählen, aber Bolivien müsse bezüglich der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zum Iran wachsam sein.

Bei seiner folgenden Rede vor den OAS-Verteidigungsministern ging Gates nicht auf die Kritik von Morales ein. Vielmehr warb er um Zusammenarbeit bei Naturkatastrophen wie den diesjährigen Erdbeben in Haiti und Chile und versprach größere Transparenz im Militärhaushalt, um einem Rüstungswettlauf in der Region vorzubeugen.

Vor Beginn der Tagung hatte OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza in La Paz mit Morales drei Abkommen zur Unterstützung des bolivianischen Transformationsprozesses unterzeichnet. Der Chilene Insulza lobte die Veränderungen in Bolivien als einen "Prozess von revolutionären Veränderungen mit einzigartigem Charakter".

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