Von Seifenopern und deutschen Medien: FTD gegen Chávez

Wie die Financial Times Deutschland die Wahrheit verdreht: Der Fall einer kolumbianischen Seifenoper in Venezuela

Mit der Wahrheit scheint es die Financial Times Deutschland (FTD) nicht so genau zu nehmen. Als Lateinamerika-Experte und Wissenschaftler kann ich nur den Kopf schütteln über die Fehlinformationen in dem Artikel "Warum Hugo Chávez eine kolumbianische Seifenoper verbietet" (25.01.2011).

Zu den Fakten: Chávez hat keinerlei Sendung verboten, auch nicht die "kolumbianische Seifenoper" auf die sich der Artikel bezieht. Im Artikel selbst steht dann auch:

"Die Medienaufsicht Conatel verbot die Ausstrahlung der Schmonzette. Sie fördere 'politische Intoleranz und Ausländerhass', lautete das vernichtende Urteil der Medienaufseher."

Ja, was denn nun? Der Präsident oder die Medienaufsicht? Aber auch das ist falsch. Die Medienaufsicht hat den Sender zunächst aufgefordert auf die Ausstrahlung der Serie aus den genannten Gründen zu verzichten. Erst wenn dies nicht geschehe, werde ein Verbotsverfahren angestrengt. Weiter heißt es in dem Artikel:

"die nach ihrer Hauptrolle benannte Serie war bislang auf beiden Seiten der gemeinsamen Grenze beliebt gewesen"

Und auf was stützt sich Wagner mit dieser Behauptung? Gleiches gilt für die Aussage, die Quote habe sich verdoppelt. Fakt ist, dass die Absetzung auch in Kolumbien von der großen Mehrheit der Kommentatoren und Leserbriefschreiber für korrekt befunden wurde und die Hoffnung gäußert wurde, Gleiches geschehe auch in Kolumbien.

Ganz allgemein ist es auch unzulänglich dem Vorwurf des Rassismus und Fremdenhasses mit dem Vorwurf der "Humorlosigkeit" zu begegnen, wie Herr Wagner dies tut. Stellen Sie sich doch mal die gleiche Situation mit Frankreich und Deutschland vor. Oder mit Polen.

Die Aufgabe einer Medienaufsicht ist genau die, der Conatel in Venezuela nachgekommen ist.

Ob Herr Wagner wusste, dass es in Kolumbien (80 Prozent mehr Einwohner als Venezuela) nur eine einzige landesweite Tageszeitung gibt und diese der Familie des Präsidenten gehört? Herr Wagner sollte das eigentlich wissen. Wäre das nicht ein Beispiel für nicht existierende Pressefreiheit?

Aber offensichtlich ergeht sich Herr Wagner lieber in Propagandalügen. Das ist sein gutes Recht. Nur einer Zeitung wie der FTD steht es schlecht zu Gesicht diese Lügen abzudrucken.

Andererseits habe ich ein gutes Beispiel für meine Studierenden dafür, wie ganz einfach tendenziöse Lügen als Wahrheit präsentiert werden. Ich werde den Artikel in meiner nächsten Lehrveranstaltung zu falscher Berichtserstattung zu Lateinamerika als Beispiel verwenden.

Die FTD pflegt ein Image als seriöse Zeitung. Das gestaltet sich mit Thomas Wagner aber schwer.

Die hier dargelegte Information erging auch an die Leitung und Redaktion der FTD. Eine Antwort blieb aus. Ganz anders die größte italienische Tageszeitung "La Repubblica", die einen clip mit ganz ähnlichem Inhalt in ihr Videoportal gestellt hatte: Nach einer ähnlichen Mitteilung dauerte es nur etwa 10 Minuten, bis ich eine Antwort bekam und der Online-Text korrigiert wurde.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr