Caracas. Venezuela hat am Samstag den kolumbianisch-venezolanischen Geschäftsmann und ehemaligen Industrieminister Alex Saab an die USA ausgeliefert. Saab galt als enger Vertrauter des Anfang des Jahres entführten Präsidenten Nicolás Maduro. "Die Maßnahme zur Abschiebung wurde unter Berücksichtigung der Tatsache getroffen, dass der betreffende kolumbianische Staatsbürger in den USA wie allgemein und öffentlich bekannt ist, verschiedene Straftaten begangen hat", erklärte die venezolanische Migrationsbehörde SAIME in einem Kommuniqué.
Außer der Migrationsbehörde hatte sich zunächst niemand von der Regierung zu dem Fall geäußert. Am Montag erklärte Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bei einer Ansprache in Caracas auf Nachfrage, die Auslieferung sei im "nationalen Interesse" erfolgt. "Alex Saab ist kolumbianischer Staatsbürger, er bekleidete Ämter in Venezuela, und dies sind Angelegenheiten zwischen den USA und Alex Saab. Wir haben daher eine administrative Maßnahme zur Ausweisung ergriffen, die durch nationale Interessen gerechtfertigt ist."
Der Generalsekretär der regierenden Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), Diosdado Cabello, äußerte sich am Montag ähnlich. Saab habe "einen gefälschten Pass vorgelegt" und einen "Betrug am Staat Venezuela" begannen.
Bereits Mitte Januar hatte Rodríguez Saab aus allen Ämtern entlassen. Monatelange Gerüchte über eine mögliche Inhaftierung oder Hausarrest bestätigten sich erst jetzt. Laut Medienberichten soll Saab Anfang Februar mit US-Hilfe festgenommen worden sein. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete Alex Saab vor dem US-Senat als "Finanzchef" oder "Strohmann" von Nicolás Maduro.
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Saab ist in Venezuela eine bekannte Figur. Im Jahr 2020 war er bei einem Tankstopp in Kap Verde (Cabo Verde) festgenommen und später unter dem Vorwurf der Geldwäsche in die USA ausgeliefert worden. In den Jahren zuvor soll er mittels Briefkastenfirmen Lebensmittel und Güter des Grundbedarfs aus Ländern wie Mexiko, der Türkei und Iran nach Venezuela importiert haben. Ziel war die Umgehung der US-Sanktionen für das venezolanische Lebensmittelprogramm CLAP.
Medien haben immer wieder Korruptionsvorwürfe gegen Saab erhoben. Die venezolanische Regierung bezeichnete Saab nach der Verhaftung 2020 als "offiziellen Diplomaten" und versuchte, ihn nachträglich in die Verhandlungsdelegation aufzunehmen, die zu diesem Zeitpunkt in Mexiko mit der Opposition verhandelte. Ende 2023 kam Saab im Rahmen eines Gefangenentauschs mit der US-Regierung unter Joe Biden frei und kehrte nach Venezuela zurück. Maduro und andere Regierungsmitglieder feierten ihn als Held, der Venezuela in schwierigen Zeiten mit Lebensmitteln versorgt habe. Später wurde er zum Industrieminister ernannt.
Dass die Migrationsbehörde Saab nun als "kolumbianischen Staatsbürger" bezeichnet, wirft Fragen auf. Venezolanische Staatsbürger dürfen nicht ausgeliefert werden. Saab verfügte über einen venezolanischen Personalausweis, übte das Wahlrecht aus, hatte vorübergehend Diplomatenstatus und war Minister. Über den Entzug seiner venezolanischen Staatsbürgerschaft ist nichts bekannt, dafür wäre ein Gerichtsbeschluss notwendig. Auf vermeintliche Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Ein- und Ausbürgerung Saabs wiesen in den sozialen Medien mehrere ehemalige chavistische Politiker wie der Ex-Bürgermeister von Caracas, Juan Barreto sowie der frühere Erdölminister unter Hugo Chávez, Rafael Ramírez, hin.
Die rechte venezolanische Opposition feierte Saabs Auslieferung und erinnerte daran, dass die Regierung ihn jahrelang hofiert habe. "Alex Saab ist ein Krimineller, der sein Vermögen auf Kosten des Hungers der Venezolaner gemacht hat", erklärte Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa auf X.

