Chile / Politik

UN-Generalsekretärin aus Lateinamerika? Keine Unterstützung für Bachelet

Karibikstaat Antigua und Barbuda schlägt die Ecuadorianerin Espinosa vor. Trotz abgelaufener Frist sind weitere Meldungen möglich. Das Rotationsprinzip sieht jetzt Lateinamerika vorn

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Web Bachelet
Webseite der Kandidatur von Michelle Bachelet

Santiago/New York et al. Antigua und Barbuda hat am Dienstag die Ecuadorianerin María Fernanda Espinosa für den Posten der UN-Generalsekretärin nominiert. Obwohl die Meldefrist abgelaufen ist, können noch bis zur letzten Minute neue Kandidaturen angemeldet werden. Zwischen 2018 und 2019 leitete Espinosa die Generalversammlung der UN und war damit eine der wenigen Frauen auf diesem Posten. Sie gilt als direkte Herausforderin von Michelle Bachelet, die ihre Kandidatur schon im September 2025 ankündigte. 

Zuvor waren bereits mehrere Kandidaten ins Rennen geschickt worden, neben Michelle Bachelet aus Chile kandidiert Rafael Grossi aus Argentinien. Grossi ist seit dem Jahr 2019 Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) und war maßgeblich an den Nuklearverhandlungen mit dem Iran beteiligt. Rebeca Grynspan aus Costa Rica ist seit 2021 Generalsekretärin der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD). Die Wirtschaftswissenschaftlerin war vorher stellvertretende Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms und von 1994 bis 1998 Vizepräsidentin von Costa Rica.

Im März nominierte Burundi den ehemaligen Präsidenten Senegals, Macky Sall. Er hat keine Unterstützung seines Heimatlandes und wenig Rückendeckung durch die afrikanischen Staaten, obwohl er im Jahr 2022 Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) war. Als männlicher Kandidat aus Afrika räumen ihm Kommentatoren wenig Chancen auf eine Wahl ein. Gemäß der langjährigen Praxis soll der UNO-Vorsitz im Rotationsverfahren an einen der Kontinente oder Weltregionen vergeben werden. Jetzt wäre Lateinamerika an der Reihe und nach Medienberichten würden viele Länder eine Frau zur UN-Generalsekretärin wählen.

Am 2. Februar bereits hatten Chile, Mexiko und Brasilien die Kandidatur von Bachelet offiziell eingereicht. Im chilenischen Wahlkampf um die Präsidentschaft hatte Präsident José Antonio Kast die Kandidatur von Bachelet kritisiert und nach der Amtsübernahme die Unterstützung offiziell zurückgezogen. Chile wird keine andere Kandidatur unterstützen und sich der Stimme enthalten.

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Der ausgeschiedene chilenische Präsident Gabriel Boric hatte im September 2025 auf der 80. Generalversammlung die Kandidatur von Bachelet zum höchsten Amt der Vereinten Nationen angekündigt. Boric sagte bei der Vorstellung: "Die UNO muss den Fortschritt der Welt widerspiegeln und anerkennen, dass eine Frau an der Spitze nicht nur ein Symbol der Gleichheit ist, sondern auch ein konkreter Ausdruck von Gerechtigkeit und gemeinsamer Führung ist."

Bei der Vorstellung ihrer Kandidatur vor der UNO erklärte Bachelet, dass sich die Organisation auf der Grundlage von Dialog, Multilateralismus und unter Einhaltung internationaler Regeln erneuern muss. Damit müsse der Vertrauenskrise, der Ausweitung von Kriegen und der wachsenden Ungleichheit in der Welt begegnet werden. In den Medien gilt die Kandidatur von Bachelet als Frau und wegen ihres politischen Werdegangs als stark. Ihre Wahl ist aber wegen des Vetorechts im Sicherheitsrat unsicher. Nach den UN-Statuten stimmt der UN-Sicherheitsrat in mehreren Runden so lange ab, bis ein Kandidat eine Mehrheit bekommt und keines der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, USA, Russland, VR China, Frankreich oder Großbritannien, ein Veto einlegt. Der so gefundene Kandidat wird dann der UN-Vollversammlung zur Abstimmung und Bestätigung vorgeschlagen.

In Chile war Bachelet von 1994 bis 1998 unter der Regierung des Sozialdemokraten Ricardo Lagos zuerst Gesundheitsministerin und danach Verteidigungsministerin. 2006 übernahm sie als erste Frau in der Geschichte Chiles das Präsidentenamt. Da eine direkte Wiederwahl in Chile nicht möglich ist, trat Bachelet mit einer Legislaturperiode 2013 erneut erfolgreich an und regierte von 2014 bis 2018 ein zweites Mal.