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Patienten aus den USA lassen sich in Kuba gegen Alzheimer behandeln

Gruppe reist nach Havanna für das Mittel NeuralCIM. Begleitet von Arzt Bill Blanchet aus Colorado. Reise trotz Warnungen aus den USA

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Die Behandlung von Alzheimer wird weltweit erforscht. Kuba liegt weit vorne
Die Behandlung von Alzheimer wird weltweit erforscht. Kuba liegt weit vorne

Havanna. Eine Gruppe von Patienten aus den USA ist Ende Februar nach Kuba gereist, um ein Alzheimer-Medikament zu erhalten. Inmitten einer Ölblockade, Stromausfällen und Treibstoffknappheit in Kuba haben diese US-Bürger die Warnungen von Politikern aus ihrem Heimatland gegen Reisen dorthin ignoriert. Sie sind in Havanna, begleitet von dem in Colorado ansässigen Arzt Dr. Bill Blanchet, um sich einer Behandlung für die Alzheimer-Krankheit zu unterziehen.

Der Arzt Dr. Bill Blanchet von Boulder Internal Medicine aus Colorado hat seine Patienten nach Havanna begleitet und berichtet, dass NeuralCIM bzw. NeuroEPO in nur sechs Monaten ihr Leben verändert habe. "Dieses Medikament muss für den Rest der Welt verfügbar gemacht werden. Es wird die Welt verändern." Das Medikament wurde vom kubanischen Zentrum für Molekulare Immunologie erforscht und entwickelt und hat mehrere Jahre andauernde Studien mit Hunderten von Patienten durchlaufen.

Die Ergebnisse seien verblüffend gewesen. Demnach hatten am Ende des ersten Jahres 85 Prozent der Personen, die Placebo erhielten, eine Verschlimmerung ihrer Demenz. Bei 54 Prozent der mit dem kubanischen Medikament behandelten Personen sei es sogar zu einer Verbesserung ihrer Demenz gekommen und bei 30 Prozent sei sie stabil geblieben. Dr. Blanchet dazu: "Somit hatten 84 Prozent eine Verbesserung oder Stabilisierung ihrer Demenz. Am Ende der drei Jahre waren alle, die nach einem Jahr stabil waren oder eine Verbesserung zeigten, auch nach drei Jahren noch stabil oder verbessert. Das ist unglaublich."

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Aufgrund der positiven Ergebnisse und da in den Studien keine nennenswerten Nebenwirkungen beobachtet wurden, hat das kubanische Gesundheitsministerium das Medikament im letzten Jahr für Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung zugelassen. Eine kleine, aber wachsende Zahl von US-Bürgern reist nun nach Havanna, um sich dort damit behandeln zu lassen. Meistens sind es Freunde und Familienangehörige von Patienten, die Veränderungen als Erste bemerken. Derzeit werden 52 Patienten von Dr. Blanchet aus Colorado im La Pradera Medical Institute in Kuba behandelt und erhalten NeuralCIM.

Ein Patient beschreibt aus persönlicher Erfahrung, wie sich bei ihm die Lage in den sechs Monaten seit Beginn der Behandlung mit NeuralCIM verändert habe: "Meine Frau ist glücklich, weil sich die Dinge deutlich verbessert haben. Vor allem ist meine Persönlichkeit wieder so verrückt wie früher. Ich habe immer noch einige Probleme mit der Wortfindung, aber ich spucke es einfach heraus, und es funktioniert. Früher habe ich eine Aprikose als Spargel oder Avocado bezeichnet und bin nie auf Aprikose gekommen." Der US-Arzt Blanchet meint dazu: "Wir haben sieben Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten, die dieses Medikament benötigen."

Aber Kubas Gesundheitssystem hat jetzt mit der US-Blockade zu kämpfen. Denn zusätzlich zu den Engpässen an manchen Medikamenten und Ersatzteilen für Geräte sind zum Beispiel die Notstromaggregate aufgrund der anhaltenden Stromausfälle überlastet, und Treibstoff ist knapp. Krankenhäuser können derzeit nur noch dringende Operationen durchführen.