Kupferindustrie in Chile: Umweltsanierung vs. Arbeitsplätze?

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Streikende blockierten 48 Stunden lang die Zugänge zu den Produktionsanlagen von Ventanas
Streikende blockierten 48 Stunden lang die Zugänge zu den Produktionsanlagen von Ventanas

Santiago. Kupferminenarbeiter in Chile haben vergangene Woche einen landesweiten 48-stündigen Streik durchgeführt.

Auslöser war die Ankündigung des staatlichen Kupferunternehmens Codelco und des (chilenischen) Staatspräsidenten Gabriel Boric, die Codelco-Gießerei Ventanas in der zweitwichtigsten Region Chiles, Valparaíso, stillzulegen. Die Föderation der Kupferarbeiter FTC rief zu einem Streik auf, um die Schließung der Niederlassung zu verhindern, von der 349 Kollegen und Kolleginnen betroffen sind.

Codelco (Corporación Nacional del Cobre de Chile) ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Bergbau-Kupferproduzent.

Die Streikenden blockierten Zufahrtswege zu den Produktionsanlagen, zündeten Autoreifen an, die Polizei schritt ein. Laut Aussage der FTC wurden elf Streikende festgenommen, die jedoch schnell wieder freikamen.

Nun sollen am Verhandlungstisch Vereinbarungen getroffen werden, um den schrittweisen Abbau der Produktionsanlage und eine Umverteilung und/oder Frühpensionierungen der Arbeitskräfte zu erreichen. Die Rede ist von einem möglichen Gesamtbetrag für Abfindungen in Höhe von 30 Millionen US-Dollar. Ein erstes Treffen zwischen Vertretern der Belegschaft und der Regierung fand am Donnerstag statt.

Wie aus der Webseite der FTC hervorgeht, wird sich der Verband jedoch (bei den Gesetzgebern) im Kongress weiterhin gegen eine Schließung Ventanas starkmachen. Die Gewerkschaft will die Verabschiedung der von der Regierung vorgelegten Gesetzesänderung 19.993 verhindern, die die Verarbeitung von Kupferkonzentraten in der Hütte unterbinden soll."Die 54 Millionen US-Dollar, die wir als Investition fordern, lösen das Problem. Das wissen Codelco und die Regierung, denn die Studien wurden durchgeführt", heißt es dort.

Ventanas liegt in der sogenannten Opferzone Quintero – Puchuncaví direkt am Pazifik. Neben Codelco sind dort mit von der Partie u.a. die staatliche Raffinerie ENAP, eine private thermoelektrische Anlage und Chemiefabrik. Die "Zonas de Sacrificio", deren stufenweise Abschaffung wichtiger Teil des Regierungsprogramms ist, sind Gebiete, in denen übermäßige und unkontrollierte Industrieproduktionen schwere und irreversible Umweltschäden verursacht haben.

Immer wieder kommt es in Ventanas und Umgebung zu besonders starken Vergiftungsvorfällen, bei denen die Schulen und nicht die Fabriken geschlossen werden. Anwohner und Umweltaktivisten protestieren seit Jahren gegen die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit (amerika21 berichtete).

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