Kuba / Wirtschaft

Neue Privatbetriebe in Kuba nehmen Arbeit auf

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Seit Anfang Oktober das erste KMU in Ciego de Ávila : "Media Luna" stellt u.a. Fruchtsäfte und Marmeladen her
Seit Anfang Oktober das erste KMU in Ciego de Ávila : "Media Luna" stellt u.a. Fruchtsäfte und Marmeladen her

Havanna. Auf Kuba sind inzwischen die ersten 615 Betriebe zwei Monate nach Inkrafttreten der neuen Gesetze über kleine und mittlere Unternehmen (KMU) genehmigt worden.

Viele der bereits etablierten Selbstständigen öffneten nach dem Ende des mehrmonatigen Lockdowns und mit der Rückkehr des Tourismus ihre Geschäfte wieder. Eine Welle von Neuanmeldungen kam hinzu.

Der neu strukturierte Genehmigungsprozess sei "spektakulär in Sachen Geschwindigkeit und Automatisierung, eine echte Veränderung“. Gründer bekämen inzwischen "volle Unterstützung" aus dem Wirtschaftsministerium und der Wissenschaft, so Abel Bajuelos, Mitinhaber des 3D-Druck-Diensleisters "Addimmensional".

Von den 615 seit Ende September neu genehmigten Firmen sind 586 (95 Prozent) reine Privatbetriebe, die mit einer der deutschen GmbH vergleichbaren Rechtsform operieren. 15 sind staatliche Firmen und 14 Kooperativen. Rund die Hälfte der KMU befinden sich in der Hauptstadt Havanna, gefolgt von Granma, Santiago de Cuba und Villa Clara. Es wird erwartet, dass die Unternehmen zusammen zwischen 10.000 und 14.000 Arbeitsplätze schaffen.

Bei 57 Prozent handelt es sich um bereits bestehende Betriebe, während 43 Prozent Neugründungen sind. Die vertretenen Branchen umfassen unter anderem die Lebensmittelindustrie, Recycling, Baugewerbe, Informatik, Möbel- und Konsumgüterproduktion, Transportdienstleister und Logistik.

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Mit der neuen Negativliste, die insgesamt 112 Punkte umfasst (darunter vor allem staatliche Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Bergbau und Infrastruktur), sind deutlich mehr Geschäftsideen umsetzbar als bisher. Inzwischen gibt es professionelle private Hersteller von Fruchtsäften, Farben und Lacken, Plastikwaren und Landwirtschaftsmaschinen, die bislang in keine Lizenzkategorie passten. Softwareentwickler und Werbeagenturen, sowohl staatlich als auch privat, sind ebenfalls unter den ersten KMU.

Nach Monaten des Lockdowns (während dem die Ausgabe neuer Lizenzen ausgesetzt war) beginnt sich Kubas Privatsektor langsam von den Folgen der Pandemie zu erholen. Von den 617.000 selbstständig Beschäftigten im Jahr 2019 waren Ende 2020 noch 602.000 übrig. 250.000 hatten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Lizenzen zeitweise zu suspendieren. Während dieser Zeit waren keine Steuern und Abgaben fällig. So konnten die allermeisten Kleinbetriebe die Pandemie überstehen und jetzt wieder an den Start gehen.

Seit der erneuten Ausgabe von Lizenzen im September sind 16.000 Selbstständige hinzugekommen. Das Risiko dürfte vielen kalkulierbar erscheinen, da neu gegründete Betriebe jetzt ein Jahr von der Steuer (inklusive Einkommenssteuer) befreit sind. Bereits bestehende Betriebe müssen bei Wiederöffnung für die ersten sechs Monate keine Abgaben entrichten.

Mit der Ausweitung und Öffnung des Privatsektors verspricht sich Kubas Regierung neben der langfristigen Lösung der strukturellen Probleme der Wirtschaft auch eine zeitnahe Verbesserung des Angebots.

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