Peru / Menschenrechte

Peru vor der Entscheidung über die juristische Aufarbeitung der Zwangssterilisationen

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Die Opfer von Zwangssterilisierung waren Indigene
Die Opfer von Zwangssterilisierung waren Indigene

Lima. Kommende Woche soll entschieden werden, ob das Verfahren gegen den ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori und Andere wegen der Zwangssterilisierungen in den 1990er Jahren eröffnet oder eingestellt wird.

Die Anhörung am 17. November wird wie bei früheren Gelegenheiten auf Spanisch durchgeführt und ins Quechua übersetzt, die Muttersprache vieler Kläger:innen.

Gegen Fujimori und seine ehemaligen Gesundheitsminister Alejandro Aguinaga, Eduardo Yong Motta und Marino Costa Bauer wird wegen Verletzung der Menschenrechte ermittelt.

Frühere Anhörungen führten Berichte verschiedener Institutionen in das Verfahren ein, die besagen, dass die betroffenen Frauen ohne Beratung operiert wurden und dass sie Dokumente unterschreiben mussten, ohne sie lesen zu können. Die Dokumente, in denen die Zustimmung der Betroffenen zur Sterilisation verlangt wurde, lagen weder in Quechua übersetzt vor noch respektierten sie die familiären und religiösen Bedürfnisse der Patient:innen.

In Berichten der Staatsanwaltschaft wird der Straftatbestand der schweren Körperverletzung als erfüllt beschrieben. Aus den Berichten geht weiter hervor, dass einzelne Frauen infolge der Operation gestorben sind oder schwere gesundheitliche Schäden erlitten haben.

Nach Angaben der Organisation Demus, die einige der Opfer verteidigt, belegen mehr als 180 von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Beweisstücke den Tatbestand.

Die Sterilisationen wurden in der Amtszeit von Alberto Fujimori (1990 bis 2000) ohne Einverständnis und teilweise ohne Wissen der Betroffenen an Frauen und Männern durchgeführt. Die meisten der circa 300.000 Opfer sind weiblich und kommen aus den Anden. Die Taten werden von einigen Rechten in Peru (darunter die Tochter des ehemaligen Präsidenten und erfolglose Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori) noch immer als Methoden der "Familienplanung" und zur "Eindämmung der Armut" verteidigt und verharmlost.

Durch den Eingriff haben viele der Frauen psychische und physische Langzeitschäden erlitten. Viele berichten auch, dass sie durch die Sterilisation schwere Verletzungen erlitten haben und seitdem ihre Arbeit, meist körperliche Arbeit auf Feldern, nicht mehr wie früher verrichten konnten.

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