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Mehr Hoffnung für Perus Indigene mit einem linken Präsidenten Castillo?

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Die Indigenen in Peru könnten von einer möglichen Präsidentschaft von Pedro Castillo profitieren
Die Indigenen in Peru könnten von einer möglichen Präsidentschaft von Pedro Castillo profitieren

Lima. Im Rennen um die peruanische Präsidentschaft hat der linke Kandidat Pedro Castillo weitreichende Versprechen für die indigene Bevölkerung abgelegt. Mit der 13 Punkte umfassenden Erklärung könnte Castillo die vorherrschende politische Ausrichtung in Bezug auf den Umgang mit indigenen Peruanern auf den Kopf stellen.

Die mit den indigenen Vertretern am 10. Mai unterschriebene Vereinbarung sieht unter anderem einen neuen verfassungsgebenden Prozess vor. Wie in den Nachbarländern Ecuador und Bolivien soll die Betonung dabei auf einen "plurinationalen" und "plurikulturellen" Staat gelegt werden. Obwohl Peru de facto ein multikulturelles Land ist, existiert eine hohe Ungleichheit, indem die indigenen Völker systematisch ausgeschlossen und diskriminiert werden.

Weitere Punkte sind die Anerkennung indigener Gebiete und Territorien, das Recht über deren Gebrauch und die Wiedergutmachung für erlittene (Umwelt-)Schäden. Indigene Organisationen sehen ihre Rechte seit Jahrhunderten missachtet. Ausbeutungsprojekte wie die Erdölförderung im Amazonas externalisieren die Schäden auf lokaler Ebene und führen die Gewinne nach Lima ab.

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Die vorgesehene Ratifizierung des Escazú-Abkommens würde das Augenmerk auf die Gefahr für Umweltaktivist:innen legen. Weltweit sind Bedrohungen, Attacken und Kriminalisierung dieser Personen in der Region am höchsten. In Peru sind in den letzten vier Jahren 120 Umweltaktivist:innen angegriffen und 800 juristisch verfolgt worden, viele davon mit indigenen Wurzeln. Mit dem Abkommen von Escazú würde der Schutzmechanismus für diese Personengruppe erhöht.

Das Treffen zwischen Castillo und den indigenen Führungspersonen legte auch ein Augenmerk auf die Plurinationalität. Der Präsidentschaftskandidat stammt aus Chota, einer Andengemeinde in Cajamarca. Obwohl die meisten Gebirgsgegenden trotz Rohstoffausbeutung mit zu den ärmsten Regionen Perus zählen – ähnlich wie der Amazonas – legte James Pérez Pacaya, einer der Indigenenvertreter, Wert auf das Zusammentreffen: "Wir als indigene Bewegung sind Ressourcenbewahrer. Deshalb haben wir Castillo einen Vorschlag unterbreitet, den er in einer eventuellen Regierung berücksichtigen sollte, denn aus seiner Sicht sieht er das Amazonasgebiet ganz anders, da er unsere Realität nicht kennt".

Eine Umsetzung der unterschriebenen Vereinbarungen ist ungewiss. Fraglich ist zudem, ob Castillo die Stichwahl gewinnen wird. Mit der symbolischen Zeichensetzung hat er neben dem Rechtskonservatismus insbesondere den privatwirtschaftlichen Sektor gegen sich.

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