Erschreckende Bilanz bei Frauenmorden in Lateinamerika

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"Gegen Feminizide und Frauenentführungen". Demonstration in Mexiko-Stadt (2.2.2019)
"Gegen Feminizide und Frauenentführungen". Demonstration in Mexiko-Stadt (2.2.2019)

Santiago. Eine Statistik der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, Cepal) anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November zeigt das Ausmaß dieser Form der Gewalt in der Region. Demnach wurden in Lateinamerika 2018 mindestens 3.287 Frauen ermordet. Die geschäftsführende Sekretärin von Cepal, Alician Bárcena, verdeutlichte, dass Femizide nur die Spitze des Eisbergs der allgegenwärtigen Gewalt gegen Frauen darstellen: "Die Zahlen zeigen, wie sehr Patriarchat, Diskriminierung und Gewalt Teil der Kultur in der Region sind“, sagte sie.

Unter einem Femizid wird die vorsätzliche Ermordung von Frauen und Mädchen verstanden, wobei der Grund der Tötung oft in ihrem Geschlecht liegt. Femizide werden meistens von Männern begangen. Sie unterscheiden sich von Homiziden, also der Ermordung von Männern dadurch, dass diese Taten häufig von Partnern oder Ex-Partnern begangen werden. Zuvor sind die Frauen meist Drohungen und Einschüchterungen, anhaltendem Missbrauch und sexueller Gewalt ausgesetzt. Sie befinden sich dabei oft in machtlosen und finanziell abhängigen Situationen.

Im Durchschnitt lag die Zahl der Frauen, die pro 100.000 Opfer eines Femizids wurden, bei zwei. Am höchsten war die Quote 2018 in El Salvador (6,8), Trinidad und Tobago (3,4) und Bolivien (2,3). 2017 hatte El Salvador ebenfalls die höchste Mordrate (10,5). Darauf folgten Honduras (5,1) und Santa Lucia (4,4). Von 2016 bis 2019 sind die Mordraten in allen Ländern ungefähr gleich geblieben. Bei den absoluten Zahlen führt Brasilien aufgrund seiner Bevölkerungsgröße. Für 2019 wurden dort bereits 1.206 Femizide erfasst. Dahinter liegen Mexiko (898) und Argentinien (255).

Für Argentinien zählte die feministische Organisation Mujeres de la Matria Latinoamericana (Mumalá) bis zum 31. Oktober 2019 226 Femizide. Das bedeutet, dass in dem südamerikanischen Land im Durchschnitt alle 32 Stunden eine Frau ermordet wird. Mumalá analysierte für das laufende Jahr, dass 40 Prozent der Opfer  von ihrem Partner und 28 Prozent von ihrem Ex-Partner getötet wurden. Der Tatort war in den meisten Fällen ihr eigenes Zuhause. 26 Prozent der Frauen wurden mit Schusswaffen und 30 Prozent mit Stichwaffen umgebracht.

Die vorliegenden Zahlen bilden die Realität nur ungenau ab. In der Statistik von Cepal fehlen einige Länder, darunter Chile, Nicaragua und Dominica. Außerdem sind die Methoden zur Erhebung der Zahlen sehr unterschiedlich. Im Fall von Barbados und anderen karibischen Ländern wurden nur die Femizide gezählt, die von Partnern oder Ex-Partner begangen wurden. Entsprechend dürfte die tatsächliche Anzahl von Femiziden in der Region um einiges höher liegen, als die Statistiken ausweisen.

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