Honduras: Bruder von Präsident Hernández in den USA wegen Drogenhandels verurteilt

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Nach dem Urteilsspruch kam es zu spontanen Protesten in Tegucigalpa vor dem Präsidentensitz.
Nach dem Urteilsspruch kam es zu spontanen Protesten in Tegucigalpa vor dem Präsidentensitz.

New York/Tegucigalpa. Am Freitag ist Juan Antonio "Tony" Hernández, Bruder des amtierenden Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, einstimmig durch ein New Yorker Gericht wegen Drogenhandels in großem Stil für schuldig gesprochen worden. Ihm droht eine Haftstrafe von 30 Jahren und lebenslange Haft. Präsident Hernández wurde in dem zwei Wochen dauernden Prozess mehrmals als "Mitverschwörer" erwähnt.

Staatsanwalt Geoffrey S. Berman erklärt, dass der frühere honduranische Kongressabgeordnete Tony Hernandez an allen Phasen des Handels mit mehr als 200 Tonnen Kokain durch Honduras beteiligt war, die für die USA bestimmt waren. Hernández habe Polizeibeamte zum Schutz von Drogentransporten bestochen. Darüber hinaus habe der Beschuldigte umfangreiche Bestechungsgelder von großen Drogenhändlern angenommen und schwerbewaffnete Kokaintransporte arrangiert.

Tony Hernández ist auch in den weiteren drei Anklagepunkten – der Falschaussage gegenüber den US-Behörden, des illegalen Waffenbesitzes und der Konspiration – für schuldig gesprochen worden. Sein Anwalt Omar Malone kündigte an, gegen die Entscheidung in Berufung zu gehen.  Am 17. Januar 2020 wird das Strafmaß festgelegt.

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Noch am Freitag kam es in vielen Städten und Regionen Honduras zu spontanen Protesten und Blockaden von wichtigen Verkehrsadern, die in vielen Teilen von der Polizei gewaltsam unter Anwendung von Tränengas geräumt wurden. Zusammen mit den Organisationen der Zivilgesellschaft und der politischen Oppositionsparteien, unter anderem der Linkspartei Freiheit und Neugründung (Libre), fordern sie den unverzüglichen Rücktritt des Präsidenten und weiterer Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats. Für den Montag riefen sie zum Generalstreik auf. In der Hauptstadt Tegucigalpa patrouillieren seit Samstagmorgen Hunderte von Soldaten in den Straßen.

Aufgrund der Vorwürfe, dass kriminelle Strukturen bis in die Polizei, Armee, die ermittelnden Behörden, Justizsystem und die Präsidentenfamilie reichen, fordern US-Kongressabgeordnete Präsident Donald Trump auf, jegliche Zusammenarbeit mit der Regierung Hernández zu suspendieren. Ohne weitere Angaben wurden bereits am Mittwoch elf Oberste des honduranischen Militärs abgesetzt. Nach dem Urteil äußerte Lisandro Rosales, Staatssekretär des Außenministeriums, dass die USA und Honduras "den Drogenhandel frontal attackieren" würden.

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