Brasilien: Experten warnen vor "Genozid" an Indigenen

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Indigene in Brasilien protestieren für ihre Rechte
Indigene in Brasilien protestieren für ihre Rechte

Brasilía. Nach der Entlassung von Bruno Pereira, dem Leiter der brasilianischen Regierungsabteilung, die für den Schutz des Landes unkontaktierter Völker zuständig ist, haben sich brasilianische Experten mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt, in der sie davor warnen, dass "der Genozid an unkontaktierten Völkern im Gange ist". Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören neben ehemaligen Leitern der Einheit für unkontaktierte Völker in der Regierungsbehörde FUNAI auch Angehörige indigener Völker. Dies berichtet die NGO Survival International am Montag.

Die Experten äußerten sich "äußerst besorgt", dass Pereira ohne ersichtlichen Grund entlassen worden sei. Außerdem stelle seine Entlassung "einen weiteren Rückschritt in der Politik zum Schutz unkontaktierter Völker dar". Dies würde den Genozid an diesen und an erst kürzlich kontaktierten indigenen Völkern provozieren, so die Unterzeichner der Erklärung.

Die Entlassung Pereiras könne den totalen Abbau der langjährigen Regierungspolitik zum Schutz bisher noch autark lebender Völker einleiten. Brasilien schützte bisher deren Land, damit sie selbst über ihr Leben bestimmen können. Dies ist eine international anerkannte Politik, um das Überleben und Wohlbefinden dieser Völker zu ermöglichen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro und seine Minister hätten einen aggressiven Angriff auf die indigene Bevölkerung Brasiliens begonnen. Davon seien unkontaktierte Völkern schwer betroffen, so die Survival International in einer weiteren Erklärung. Die Invasion indigener Gebiete, einschließlich der Wälder der unkontaktierten Yanomami und Awá, sei seit dem Amtsantritt von Bolsonaro zu Beginn dieses Jahres stark angestiegen.

Im Zusammenhang mit den Plänen, den Amazonas-Regenwald für Agrarwirtschaft und Bergbau zu öffnen, hatte Bolsonaro erklärt, dass er unkontaktierte Völker in die Mainstream-Gesellschaft "integrieren" will.

In diesen Tagen reisen Dutzende indigene Völker auf Einladung von Papst Franziskus in den Vatikan. Dies ist der Beginn einer dreiwöchigen Synode, die sich um ihren Kampf für den Schutz ihres Landes dreht.

Fiona Watson, Leiterin der Forschungsabteilung von Survival International, sagte am gestrigen Montag, Brasilien sei seit Jahrzehnten führend beim Schutz des Landes unkontaktierter Völker und erkenne bisher deren hohe Verwundbarkeit an.

Bolsonaro beabsichtige aber, diese Arbeit einzustellen. Er wolle indigene Gebiete in ganz Brasilien für Holzfäller, Bergleute und Viehzüchter öffnen und es sei ihm gleichgültig, wie viele indigene Völker dabei sterben. Außerdem habe er bereits mehrfach seine rassistische Verachtung für sie bei vielen Gelegenheiten offen zum Ausdruck gebracht. Dies sei nun ein entscheidender Moment für die Zukunft unkontaktierter Völker und damit für die gesamte Menschheit. "Entweder stehen die Menschen auf der ganzen Welt Seite an Seite mit den indigenen Völkern, die um ihr Überleben kämpfen, oder wir werden Zeuge werden, wie vor unseren Augen Völkermord begangen wird", so Watson weiter.

In Brasilien leben mehr unkontaktierte Völker als irgendwo sonst auf der Welt. Unkontaktierte Völker sind indigene Völker ohne dauerhaften friedlichen Kontakt zur Mainstream-Gesellschaft. Sie sind für ihr Überleben völlig von ihrem Land abhängig. Die gewaltsame Kontaktaufnahme mit unkontaktierten Gemeinden und der Diebstahl ihres Landes könnten sie auslöschen.

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