Chemiekonzern Syngenta wegen Mord an Bauer verurteilt

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"Syngenta verurteilt" – Ein brasilianisches Gericht nimmt den Konzern in die Verantwortung
"Syngenta verurteilt" – Ein brasilianisches Gericht nimmt den Konzern in die Verantwortung

Paraná, Brasilien. Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta ist von einem brasilianischen Gericht für den Tod eines Bauern im Jahre 2007 verantwortlich gemacht worden. Das erstinstanzliche Urteil des Zivilgerichts von Cascavel (Bundesstaat Paraná) schreibt dem Unternehmen die Verantwortung für die Tötung von Valmir Mota de Oliverira sowie für den Mordversuch an einer Bäuerin zu. Syngenta wurde zu einer Entschädigungszahlung an die Betroffenen und ihre Angehörigen verurteilt.

Am 21. Oktober 2007 hatte eine Gruppe landloser Bauern zusammen mit der Kleinbauern- und Landarbeiterorganisation Via Campesina im Dorf Santa Tereza do Oeste ein Syngenta-Testgelände für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) besetzt. Die Protestierenden warfen dem Unternehmen vor, illegale Experimente mit gentechnisch verändertem Mais durchzuführen.

Das Protestcamp der Bauern wurde am selben Tag von rund 40 bewaffneten Männern der Sicherheitsfirma "NF Seguridad" überfallen. Dabei wurde Valmir Mota de Oliveira erschossen, mehrere weitere Personen verletzt. Richter Pedro Ivo Moreira bezeichnete den Vorgang in seiner Urteilsbegründung als "Massaker". Syngenta hatte in der Vergangenheit stets behauptet, es habe sich um eine "Konfrontation" zwischen Bauern und den Sicherheitsleuten gehandelt.

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In seiner Verteidigungsschrift hatte der Konzern anerkannt, dass das Vorgehen der Sicherheitsleute gegen die organisierten Bauern illegal war. Ihr Handeln sei "ideologisch gegen die Landlosenbewegung" gerichtet gewesen, gab Syngenta zu Protokoll. Trotzdem wies das Unternehmen die Verantwortung für den Vorfall bisher von sich. In dem Gerichtsurteil wird Syngenta nun in die Pflicht genommen. Die "schlechte Auswahl des Sicherheitsanbieters sowie die indirekte Finanzierung der illegalen Aktivitäten" ließen auf eine Verantwortung des Konzerns schließen, so der Richter.

Das in der Schweiz ansässige Chemieunternehmen Syngenta ist weltweit der drittgrößte Anbieter von Saatgut und beherrscht rund 19 Prozent des Weltmarktes für agrochemische Produkte.

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