Proteste informeller Bergarbeiter in Peru

Regierung will illegale Bergbauaktivitäten unterbinden. Blockaden der Fernverkehrsstraße Interoceánica

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Interoceánica in Peru
Einfallstor für den illegalen Bergbau: die Interoceánica von Brasilien nach Peru

Lima. In großen Teilen Perus machen seit Anfang Oktober tausende illegale und informell tätige Kleinbergleute mit Streiks und Protesten auf ihre Lage aufmerksam. Betroffen sind mindestens 14 der 24 Verwaltungsbezirke des Landes, allen voran Madre de Dios, Puno sowie La Libertad. Auslöser der Aktionen, an denen sich Zehntausende beteiligen, waren neue gesetzliche Regelungen sowie Beschlagnahmen von Geräten und Ausrüstungen der Bergleute durch die Behörden, welche versuchen, den boomenden illegalen Bergbau einzudämmen und staatlichen Regeln zu unterwerfen.

Anders als erwartet, versammelte sich die Masse der Protestierer nicht in  Puerto Maldonado, der Hauptstadt von Madre de Dios, sondern blockieren sie an mehreren Stellen die wichtige Fernverkehrsstraße Interoceánica, die Peru mit Brasilien verbindet. In der im Süden gelegenen Stadt Juliaca in der Region Puno kam es zu Kundgebungen, an denen bis zu 20.000 Bergarbeiter teilnahmen. Der Protest blieb hier friedlich.

Peru gehört zu den Ländern Südamerikas, die besonders große Schwierigkeiten haben, das Bergbaugeschäft zu regeln und zu kontrollieren. Etwa 200.000 Menschen bestreiten hier ihren Lebensunterhalt mit dem Kleinbergbau. Insbesondere beim Goldschürfen wird die Umwelt schwer in Mitleidenschaft gezogen und es kommt zu sozialen Konflikten mit bäuerlichen Produzenten. Durch den Ausbau der Carretera Interoceánica hat sich das Problem weiter verschärft, mittlerweile werden die Bodenschätze verstärkt unter Einsatz größerer Kapitalmittel und Maschinen ausgebeutet.

Die Interoceánica, die bis zur Küstenregion am Pazifischen Ozean reicht, sollte vor allem die Handelsverbindungen zwischen Brasilien und Peru sowie über den Seeweg von Brasilien mit Asien verbessern. Das Straßennetz erweist sich jedoch vor allem als Einfallstor für illegale Geschäfte und wirtschaftliche Tätigkeiten wie die Logistik zur Ausplünderung der Region von Madre de Dios.

Der peruanische Staat hat Verbotszonen für den Kleinbergbau eingerichtet, Konzessionen vergeben und versucht, die neuen Bestimmungen durch eine verstärkte Präsenz von Polizei und Militär durchzusetzen. Offiziell wird zwischen drei Gruppen unterschieden, die am illegalen Bergbau beteiligt sind: handwerklichen, informellen und illegalen Arbeitern. Die ersteren sind jene, die  mit einfachen Werkzeugen Mineralien extrahieren, um ihr Überleben zu sichern. Diese Gruppe wird vom Staat meist geduldet. Auf ihr Konto geht der kleinste Teil der Umweltschäden. Als Informelle gelten jene, die legal tätig sein wollen, doch noch über keine Arbeitserlaubnis verfügen. Hinter den Illegalen, die weder eine Lizenz besitzen noch anstreben, stehen im Hintergrund meist kapitalkräftige Unternehmen. Da sie in geschützten Gebieten tätig sind und bei der Goldwäsche auf besonders schädliche Methoden zurückgreifen, wie den Einsatz von Quecksilber, verursachen sie enorme Schädigungen der Umwelt.

In der vergangenen Woche wurde Perus Arbeitsgesetzgebung modifiziert. Demnach müssen noch in diesem Jahr alle informellen Bergarbeiter ihre Dokumente vom Staat prüfen lassen, andernfalls droht ihnen ein Verbot ihrer Tätigkeit. Schärferer Kontrolle unterzogen werden sollen auch zum Einsatz gebrachte Werkzeuge, Maschinen und Geräte. Das Verbot, Mineralien in geschützten Gebieten zu fördern, soll rigoroser durchgesetzt werden. Besonders betroffen ist die am meisten ausgebeutete Amazonasregion Perus, Madre de Dios.

Den Streiks der informellen Arbeiter haben sich die Illegalen mit ihren Aktionen angeschlossen. In der Praxis lassen sich die beiden Gruppen kaum auseinanderhalten. Auf Ablehnung traf der Protest bei der peruanischen Vereinigung der handwerklichen Bergarbeiter der Region Ica.

Im illegalen Bergbau treffen viele der Probleme Perus aufeinander. Der Staat ist noch ein gutes Stück davon entfernt, eine wirksame Kontrolle über den Bergbau auszuüben. Neben der Zerstörung der Umwelt ist auch die verbreitete Kinderarbeit eine seiner Schattenseiten. Tausende Kinder werden als Bergarbeiter missbraucht und müssen unter schwersten Bedingungen arbeiten. Anzeigen bei den Behörden bleiben meist aus und die verantwortlichen Unternehmen straflos.

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