Venezuela / Politik

Venezolanische Opposition glaubt an Sieg

Venezolanische Opposition siegesicher. Präsidentschaftskandidat Capriles zieht biblischen Vergleich

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Henrique Capriles Radonski
Henrique Capriles Radonski beim Abschluss der Wahlkampagne im Bundesstaat Portuguesa

Caracas. Angesichts schwacher Umfragewerte hofft der Präsidentschaftskandidat der venezolanischen Rechten, Henrique Capriles Radonski, für die Wahlen am Sonntag auf Unterstützung aus dem Jenseits. "Gott nimmt und gibt die Regierenden", erklärte Capriles bei seiner abschließenden Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Apure. "Gott wird durch euch alle sprechen, alle die hier sind, weil sie etwas besseres wollen", so der Kandidat der rechtsliberalen Partei Primero Justicia.

Bei seinem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Lara am Vortag hatte Capriles seinen Wahlkampf mit dem Kampf des biblischen Davids verglichen. "Für mich war dies ein spiritueller Kampf. Ein Kampf David gegen Goliat. Im Kampf David gegen Goliat gewann David und hier ist David", sagte der aussichtsreichste Kandidat der Oppositionsparteien im Rennen gegen Amtsinhaber Hugo Chávez. "Am Sonntag wird es eine himmlische Feier geben", versprach Capriles seinen Anhängern.

Der Ex-Bürgermeister des Hauptstadtbezirks Chacao, Leopoldo López, der seine Kandidatur bei den internen Vorwahlen der Opposition zugunsten von Capriles Radonski zurückgezogen hatte und dessen Wahlkampagne geleitet hat, prognostiziert einen "historischen Sonntag": "In einigen Jahrzehnten, wenn du neben deinen Söhnen beim Familientreffen sitzt, wird dich sicher einer deiner Kinder fragen: Wo warst du am Sonntag, den 7. Oktober 2012?", so López in seiner Zeitungskolumne.

Auch die der Opposition nahestehenden Medien sehen Capriles aus den Wahlen am Sonntag bereits jetzt als Sieger hervorgehen. Der Leiter der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Simón Bolívar (USB), Luis Pedro España, kennt als Kolumnist der Tageszeitung El Nacional auch bereits die "Ursachen des Triumphs": Wähler unter 20 Jahren würden angesichts der Enttäuschung ihrer Eltern über den von Chávez versprochenen und gleichzeitig ausgebliebenen Wandel dem Kandidaten der Opposition ihre Stimme geben, so die Prognose des Wissenschaftlers.

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Aus Sicht der Regierung könnten solche Prognosen Teil eines Planes sein, das Ergebnis am morgigen Sonntag nicht anzuerkennen, um mit Massenprotesten Chaos zu stiften. Auch vor diesem Hintergrund rief die Beobachtermission der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) alle Seiten dazu auf, das Ergebnis zu respektieren.

Unterdessen hat der Nationale Wahlrat (CNE) am Freitag mit der Errichtung der Wahllokale begonnen. An 39.018 Orten können am Sonntag insgesamt 18,9 Millionen Venezolaner ihrer Stimme abgeben. Laut Angaben des CNE stehen zudem 304 Wahllokale in den Botschaften und Konsulaten für über 100.000 Wahlberechtigte im Ausland zur Verfügung.

Die Rektorin des CNE, Socorro Hernández, erinnerte zudem daran, dass ihre Organisation als einzige befugt sei, am Wahltag Ergebnisse bekannt zu geben. In Venezuela ist die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen in der Woche vor der Wahl ebenso untersagt, wie Wahlprognosen am Wahlabend.

In den zuletzt veröffentlichten Umfragen hatte der Kandidat der Opposition, Capriles Radonski zwar leicht an Boden gut machen können. Die Mehrzahl venezolanischer und internationaler Umfrageinstitute sieht jedoch den amtierenden Präsidenten Hugo Chávez weiterhin deutlich vor seinem Herausforderer.

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