Streik wegen Gaspreisen im Süden Chiles

Bürgervereinigungen laufen gegen Maßnahme Sturm. Demonstrationen, Barrikaden und zwei Todesfälle. Regierung Piñera stellt sich stur

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Demonstranten vor brennenden Barrikaden
Demonstranten vor Barrikaden im Süden Chiles. Das Bild stammt von Telesur

Punta Arenas/Puerto Natales, Chile. Regionale Bürgerverbände haben im äußersten Süden Chiles, in der Region Magallanes, zu einem Generalstreik aufgerufen. Lanciert wurde der Aufruf von der "Bürgerversammlung von Magallanes", nachdem die rechtsgerichtete Regierung von Präsident Sebastian Piñera eine Erhöhung der Gaspreise angekündigt hatte.

Das staatliche Gasunternehmen ENAP will die Kosten demnach um 16,8 Prozent anheben. In der kältesten bewohnten Region Chiles ist der Gasverbrauch um ein Vielfaches höher als im Rest des Landes.

Seit Dienstag ist der Verkehr in den wichtigsten Städten der Region – Puenta Arenas und Puerto Natales – wegen der Proteste komplett lahmgelegt. Alle Hauptverkehrsadern sind blockiert, ebenso die Häfen und Flughäfen. Die Straßen zum beliebtesten Touristenziel Chiles, dem Nationalpark Torres del Paine, sind ebenfalls nicht befahrbar. Touristen steckten in der Nacht im Park und am regionalen Flughafen fest.

Demonstrationen und Autokorsos sowie brennende Barrikaden bestimmten in der Nacht das Bild. Es gab mehrere Verletzte und rund 30 Verhaftungen. Der Protest wurde von einem tödlichen Unfall überschattet: Zwei junge Demonstrantinnen wurden von einem Lieferwagen überrollt, der eine Barrikade durchbrach. Sie starben noch in der Nacht an ihren Verletzungen.

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Im Kabinett werden angesichts der Krise Lösungsvorschläge wie eine schrittweise Erhöhung des Gaspreises oder Ausnahmeregelungen diskutiert. Diese sollen an einem runden Tisch verhandelt werden. Ein Treffen des Innenstaatssekretärs Rodrigo Ubilla mit den Bürgermeistern von Puenta Arenas und Puerto Natales blieb jedoch zunächst ohne Resultat. Den Vorschlag, die Erhöhung während der Verhandlungen um einen Monat aufzuschieben, wollten die Bürgermeister nur akzeptieren, wenn eine Preiserhöhung in dieser Zeit offen bleibt.

Dies jedoch lehnt die Regierung vehement ab. Die Preiserhöhung werde in jedem Fall kommen, heißt es in Santiago. Gespräche mit der Regierungschefin von Magallanes sowie Gouverneuren und Parlamentsabgeordneten aus der Region verliefen bisher ebenfalls ohne Ergebnis. Einige Minister der Regierung reisten vergangene Nacht nach Puenta Arenas, um Verhandlungen aufzunehmen.

Die ACM und andere Basisorganisationen riefen derweil zu weiteren Protesten auf. Etliche Läden und einige öffentliche Einrichtungen  in der Region bleiben heute geschlossen.

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