Peru: Kampagne gegen Bergbau

Internationale Kampagne klagt Menschenrechtsverletzungen im Norden des Landes an. Regierung fördert dennoch weiter die Großindustrie

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Festgenommen und misshandelt: Polizei und Sicherheitsdienst gegen Demonstranten
Festgenommen und misshandelt: Polizei und private Sicherheitsdienste gehen gegen Gegner des Bergbaus vor

Lima. Sie wollen keinen Bergbau in ihrer Region. Die Forderung von Tausenden Einwohnern im Norden Perus ist provokant. Immerhin erzielt Peru mehr als 60 Prozent seiner Exporterlöse aus dem Bergbau, Kupfer und Gold sind führend. Doch die Projekte hinterlassen irreversible Umweltschäden, zerstören Natur und verbrauchen knapper werdende Ressourcen wie Wasser. Alternative Entwicklungsmodelle gibt es nicht und von der angeblich wirtschaftlichen Bonanza, die Peru bereits seit Mitte der 1990er ereilt haben soll, kommt vor Ort in der Regel nichts an.

Vor drei Jahren bereits votierten mehr als 98 Prozent der Einwohner dreier ländlicher Provinzen der Region Piura gegen jegliche Bergbauaktivitäten. Doch die Regierung unter Präsident Alan Garcia vergab weitere Konzessionen an Bergbauunternehmen im Grenzgebiet zu Ecuador.

Die zentrale Forderung der Menschen nach bergbaufreien Zonen schlägt sich nun in einer neuen Kampagne nieder. Die Aktion "Minería en Paraíso – Zonas libres de Minería" startete Mitte September. Die Organisatoren der Kampagne, zu denen neben mehreren peruanischen Organisationen wie dem Umweltnetzwerk Red Muqui auch die belgische CATAPA gehören, wählten für den Auftakt ein symbolisches Datum: den dritten Jahrestag der lokalen Bevölkerungsbefragung vom 16. September 2007.

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Konkret geht es um das Projekt Rio Blanco, das seit 2003 von der britischen Firma Monterrico Metals vorangetrieben wurde. Das Unternehmen hat von den Gemeinden keine Genehmigung, deren Landflächen zu nutzen. Allein, die Erkundungsarbeiten konnten dank staatlicher Unterstützung vorangehen und haben zu massiven sozialen Konflikten geführt. Im Laufe der Jahre kamen bisher sieben Bauern ums Leben, Hunderte stehen vor Gericht. Auch wer friedlich protestiert, wird schnell terroristischer Umtriebe beschuldigt. Anfang August 2005 hielten peruanische Polizisten und private Sicherheitsleute der Bergbaufirma 30 Aktivisten und Bauern fest, schüchterten sie ein und folterten sie. Wegen der Vorfälle läuft gegen die in England registrierte Monterrico Metals seit dem vergangenen Jahr ein Justizverfahren in London.

Anstelle des Bergbaus favorisiert die Mehrheit der Menschen ein Ressourcen schonendes landwirtschaftliches Entwicklungsmodell. Reis, Mais, Kaffee, Obst und Viehzucht anstelle der Förderung von Kupfer und Molybdän, in einer artenreichen Landschaft mit Nebelwäldern, die überregional bedeutsame Wasserspeicher sind.

Ein vorerst kleiner Hebel im Spiel der Kräfte soll die neue Kampagne sein. In einem ersten Schritt kann dazu online eine Petition unterzeichnet werden.

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