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Wiederaufbau in Ostkuba nach Hurrikan Melissa

Fast eine Million Menschen wurden evakuiert. Kuba meldet keine Todesopfer. Erste Hilfslieferungen treffen ein

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Durch die Evakuierungsmaßnahmen konnten in Kuba trotz schwerer Schäden Todesfälle vermieden werden
Durch die Evakuierungsmaßnahmen konnten in Kuba trotz schwerer Schäden Todesfälle vermieden werden

Havanna. Die umfangreichen Aufräum- und Reparaturarbeiten sowie der Wiederaufbau nach dem Durchzug des Hurrikans Melissa in den östlichen Provinzen Kubas sind in vollem Gange. In manchen Gemeinden und Regionen hat sich die Lage wegen der konzentrierten Hilfsmaßnahmen bereits entspannt und die meisten Menschen können in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Mithilfe der umfassenden Katastrophenvorkehrungen zum Schutz der Menschen wurden die in Kuba bewährten Notfallmaßnahmen durchgeführt. So konnten mit Hubschraubern, Zügen, Bussen, Lastwagen und Booten fast eine Million Menschen evakuiert werden. Dies rettete Leben, trotz der durch den Hurrikan verursachten Verwüstungen gab es keine Todesopfer zu beklagen. In den Nachbarländern Jamaika und Haití kamen mehrere Menschen ums Leben (amerika21 berichtete).

Die inzwischen veröffentlichten Schadensbilanzen der kubanischen Regierung und der UN zeigen indes die immensen Zerstörungen auf, die Melissa vor zwei Wochen in den Provinzen Santiago de Cuba, Guantánamo, Granma, Holguín und Las Tunas verursacht hat. Das Ausmaß der Schäden in den Provinzen unterschied sich erheblich. Insgesamt waren aber über zwei Millionen Menschen betroffen. 60.000 Häuser, 461 medizinische Zentren und 1.552 Schulen wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Hinzu kommt, dass auf fast 80.000 Hektar landwirtschaftlicher Anbaufläche die Ernten vernichtet sind. In den betroffenen Regionen fielen 75 Prozent der Mobilfunknetze aus und 90 Prozent der Radioantennen waren funktionsunfähig. Die Strom- und Wasserversorgung konnte inzwischen größtenteils wiederhergestellt werden, vor allem in der besonders hart getroffenen Provinz Santiago de Cuba steht dies jedoch zu weiten Teilen noch aus.

Angesichts dieser verheerenden Schäden ist die internationale Hilfe umgehend angelaufen. So sind bereits erste wichtige Hilfsgüter per Luftfracht und mittels Schiffslieferungen in Kuba eingetroffen, darunter aus Kolumbien mehr als 240 Tonnen Lebensmittel, Hygieneartikel, Moskitonetze, Milch, Trinkwasser und 31.000 Gallonen Treibstoff, sowie zwei Schiffsladungen Hilfsgüter aus Venezuela. Die UN hat einen Aktionsplan zur Hilfe für Kuba angekündigt, der 74 Millionen US-Dollar umfasst, das Internationale Rote Kreuz hat 18 Millionen US-Dollar zugesagt.

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Ferner haben einzelne Staaten Unterstützung angekündigt, darunter Kanada sieben Millionen US-Dollar, die USA drei Millionen Dollar und Deutschland 330.000 Dollar. Auch Venezuela, Norwegen und Indien sagten finanzielle Hilfe zu. Hinzu kommen einzelne nationale Organisationen, wie die französische Gewerkschaft CGT, die kurzfristig eine Spende in Höhe von 130.000 Euro gesammelt hat. Auch umfangreiche materielle Güter wurden angekündigt, darunter vor allem eine Spende von 5.000 Solaranlagen aus China, die in entlegenen ländlichen Regionen bei der Stromversorgung helfen sollen.

Der Präsident von Kuba, Miguel Díaz-Canel Bermúdez, hatte nur 24 Stunden nach dem Hurrikan Melissa die östlichen Provinzen Kubas bereist. Begleitet wurde er von Rettungsteams, Elektrikern und medizinischem Personal. Dort, in den besonders schwer betroffenen Gemeinden am Rio Cauto, sagte er angesichts der allgemeinen Lage: "Wir alle müssen zusammenarbeiten, um Kuba zu verteidigen."

Während die Aufräumarbeiten noch andauern, werden in der Provinz Granma im Osten des Landes, die ebenfalls von Melissa betroffen war, seit Montag starke Regenfälle gemeldet. Rund 2.500 Menschen mussten sich bereits in Sicherheit bringen.