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Staatstrauer in Venezuela: Über 20 Tote und mehr als 50 Vermisste nach Erdrutsch

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Seit Samstagabend im Dauereinsatz: Rettungskräfte in Las Tejerías
Seit Samstagabend im Dauereinsatz: Rettungskräfte in Las Tejerías

Las Tejerías. Ein durch sintflutartige Regenfälle verursachter Erdrutsch hat in Las Tejerías im venezolanischen Bundesstaat Aragua über 20 Menschen in den Tod gerissen, mehr als 50 werden vermisst.

Die Tragödie ereignete sich am Samstagabend, als ein Wolkenbruch Schlamm, große Baumstämme, Äste und Felsbrocken aus den umliegenden Bergen mit sich riss, die Straßen blockierte und Häuser, Geschäfte, landwirtschaftliche Flächen und einen Schlachthof zerstörte. Die kleine agroindustrielle Stadt liegt etwa 67 Kilometer von Caracas entfernt.

Laut Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sind nach tagelangen heftigen Regenfällen fünf Bäche im zentralen Gebiet von Las Tejerías über die Ufer getreten und haben den großen Erdrutsch ausgelöst. Militär- und Rettungsteams seien rasch in die betroffenen Gebiete entsandt worden, um nach Überlebenden und unter Schlamm und Felsen eingeschlossenen Menschen zu suchen, sagte Rodríguez im staatlichen Fernsehsender VTV. Bis Sonntag waren mindestens 22 Leichen gefunden worden.

"Was in Tejerías geschehen ist, ist eine Tragödie. Es sind immer noch Menschen verschüttet und wir versuchen, sie lebend zu retten", sagte Rodríguez. Für die Menschen, die ihre Häuser verloren haben, seien Schutzräume eingerichtet worden, um sie medizinisch zu versorgen und andere unmittelbare Bedürfnisse zu decken.

Die Vizepräsidentin versprach auch Unterstützung für Bauern und Geschäftsinhaber, die ihre Ernten und Geschäfte verloren haben, sowie finanzielle Hilfe für die gesamte betroffene Bevölkerung.

Der Vizeminister für Risikomanagement und Katastrophenschutz, Generalmajor Carlos Pérez Ampueda, bekräftigte vor Ort, dass die Suche nach Überlebenden Priorität habe. Tausend Retter mit Spürhunden und Drohnen führten die Suchaktionen durch, während Arbeiter mit schweren Maschinen die Straßen räumten und die Versorgung wiederherstellten.

Hunderte von Feuerwehrleuten, Polizei- und Zivilschutzbeamten sowie Soldaten und viele Freiwillige erreichten das Gebiet kurz nach der Tragödie, um die Bevölkerung in sichere Zonen zu bringen. In der Zwischenzeit waren auch die Minister für Wasser, Gesundheit und Wohnungsbau vor Ort, um die Schäden zu begutachten und die Pläne für den Wiederaufbau voranzutreiben.

Präsident Nicolás Maduro erklärte Las Tejerías zum Naturkatastrophengebiet und kündigte eine dreitägige Staatstrauer "in Solidarität mit den betroffenen Familien" an.

Las Tejerías war nicht das einzige Gebiet Venezuelas, das von den widrigen Wetterbedingungen betroffen war. In den letzten Wochen hat das Land historische Niederschlagsmengen erlebt, die in elf Bundesstaaten der zentralen und westlichen Regionen zu Erdrutschen und Überschwemmungen geführt haben, mindestens 18 Menschen kamen dabei ums Leben. Die venezolanische Regierung entsandte mehr als 20.000 Retter und Beamte in die betroffenen Regionen.

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Meteorologie und Hydrologie (Inameh) haben die heftigen Regenfälle in den letzten zwei Wochen zugenommen, da der Tropensturm Julia durch die Karibik zog und später in Nicaragua auf Land traf.

Aktualisierung: Laut venezolanischen Medien hat sich die Zahl der Toten auf 36 erhöht, 56 Menschen werden noch vermisst

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