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Botschafter von Mexiko bezeichnet Donald Trump als Rassisten

Umstrittener US-Präsidentschaftskandidat sorgt mit Ausfällen gegen Latinos für heftige Kritik. Milliardär führt in Umfragen

Mexiko-Stadt/Washington. Mexikos Botschafter in Washington hat die Wahlkampagne des Präsidentschaftsanwärters Donald Trump in den USA als rassistisch, fremden- und frauenfeindlich bezeichnet. Der Milliardär erhalte mit diesen Mitteln aktuell die meiste Aufmerksamkeit im Wahlkampf. Der Diplomat reihte sich damit in die deutliche Kritik aus seinem Land an dem Milliardär ein. Das Parlament in Mexiko-Stadt hatte Trump zuvor bereits zur unerwünschten Person erklärt.

Botschafter Miguel Basáñez Ebergenyi sagte, Trump müsse sich für seine Verleumdungen entschuldigen. Dieser hatte im Juni die in den USA lebenden Mexikaner als Verbrecher und Vergewaltiger bezeichnet. Es seien nicht die besten Menschen, die aus Mexiko kämen. "Sie bringen Drogen und Verbrechen, sie sind Vergewaltiger", so Trump, der einschränkend hinzufügte, dass "manche von ihnen, schätze ich, gute Leute" seien.

Mit diesen Aussagen hatte Trump einen Sturm der Entrüstung erregt. Doch längst nicht alle Amerikaner empören sich über seine rassistischen Ausfälle: Laut jüngsten Umfragen bekommt der Immobilienmogul von allen Kandidaten für die Republikanische Partei derzeit die meiste Zustimmung.

Basañez rief die Mexikaner zum Protest auf. "Wir wollen keinen schlechten Ruf aufgrund von Lügen", sagte er. Trump diffamiere den drittgrößten Handelspartner der USA. In den Vereinigten Staaten leben 33,5 Millionen Menschen mexikanischer Herkunft, sie tragen acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der USA bei. Dessen ungeachtet fordert Trump die Errichtung einer Mauer an der mexikanischen Grenze.

Der mexikanische Botschafter stellte Trumps politische Glaubwürdigkeit in Frage: "Er hat bereits fünfmal die Partei gewechselt und wird seine Meinung ändern, so oft es nötig ist." Trump wisse genau, dass, was er gesagt habe, völlig falsch sei, so Basáñez Ebergenyi. "Er weiß auch, dass er sich bei den Mexikanern entschuldigen muss. Was er gerade macht, ist alles Teil seiner Kampagne." Der Immobilienmogul hat dieser Position aber bereits eine Absage erteilt: Es gäbe nichts, wofür er sich entschuldigen müsse.

Tatsächlich scheinen die Ausfälle gegen Lateinamerikaner bei Trump Programm zu sein. Bei einer Pressekonferenz im US-Bundestaat Iowa war er unlängst mit einem lateinamerikanischen Journalisten aneinandergeraten. Nachdem der Vertreter des spanischsprachigen TV-Senders Univisión, Jorge Ramos, kritische Fragen zu Trumps Einwanderungsplänen stellte, wurde er von Ordnern aus dem Saal geworfen. Später durfte der Journalist wieder zurück und lieferte sich ein weiteres Wortgefecht mit Trump.

Im Laufe der vergangenen Wochen hatten mehrere prominente Vertreter der lateinamerikanischen Community in den USA zum Teil heftige Kritik an Trump geübt. So meldeten sich unter anderem der aus Spanien stammende Hollywood-Schauspieler Antonio Banderas, der puertoricanische Sänger Ricky Martin und die aus Kolumbien stammende Pop-Ikone Shakira zu Wort.

Bei der Verleihung des Kunstpreises Platino vor gut einem Monat hatte Banderas in seiner Dankesrede nach der Entgegennahme der Auszeichnung Trumps Äußerungen aufgegriffen. "Trotz des irrsinnigen Verlangens des Herrn Donald Trump, auf uns einzudreschen, haben wir die Stärke, ihn in seiner Bedeutungslosigkeit ins Leere laufen zu lassen", sagte Banderas.

In einem Kommentar für Univisión wies Ricky Martin die Äußerungen Trumps zurück. Die Aussagen des Kandidaten seien "rassistisch, absurd, wirr und ignorant", so Martin. Die Sängerin Shaira merkte an, dass Trumps “rassistischer und hasserfüllter Diskurs“ die US-Gesellschaft zu spalten versuche.

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