Brasilien / Politik / Soziales

Bewohner fürchten Abriss von Häusern nahe WM-Stadion

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Demonstrantin mit Plakat "WM - Priorität für Brasilien?"
"WM - Priorität für Brasilien?"

Rio de Janeiro. Die Bewohner einer Favela in der Nähe des Maracaná-Stadions haben berichtet, dass lokale Regierungsbeamte den Abriss von mehr als 40 Häuser planen, um diesen Ort vor der FIFA-Weltmeisterschaft 2014 umzugestalten.

Mehrere Familien haben Häuser in der der Favela do Metro nahe des Stadions besetzt, in dem am 13. Juli das Endspiel der WM stattfinden soll und fürchten nun die Vertreibung. Nach Aussagen von Betroffenen kamen in letzter Zeit immer häufiger "Männer vom Bürgermeisteramt", schlugen nachts gegen die Türen und jagten die Bewohner, darunter viele Kinder, aus den Häusern. Um gegen diese Aktionen zu protestieren, blockierten Demonstranten am vergangenen Dienstag Straßen vor dem Stadion und setzten Barrikaden in Brand.

Rechtsanwältin Eloisa Samy, eine Aktivistin, die den Bewohnern juristischen Beistand gibt, sagte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP, im Jahr 2010 seien 637 Familien der Favela enteignet und in Wohnblocks nicht weit von dort umgesiedelt worden. Da die Häuser aber sieben Monate lang leer standen, kamen 15 Familien und besetzten sie. Samy berichtete weiter, dass die Behörden auf dem Gelände ein Einkaufszentrum bauen wollen. Damit zur die Weltmeisterschaft alles "sauber" aussehe, würden dem brasilianischen Volk, vor allem den Armen, Opfer abverlangt, so Samy.

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Alle 40 Häuser sollen bis zum Ende des Monats abgerissen werden, lautet die Anweisung des Bürgermeisters. Der zuständige städtische Beamte, André Santos, erklärte, die dort lebenden Familien – "alles Besetzer – können Zuflucht in Notunterkünften des Bürgermeister suchen." Nach Angaben einer Bewohnerin, Renata Lopes, sei der Bürgermeister jedoch vor zwei Monaten gekommen und habe den Familien ein Haus versprochen.

Im vergangenen Juni wurde Brasilien von sozialen Protesten erschüttert. Hunderttausende von Demonstranten, an manchen Tagen mehr als eine Million, gingen auf die Straße, um unter anderem gegen Fahrpreiserhöhungen zu protestieren und bessere öffentliche Gesundheitsversorgung und Bildung zu fordern. Auf scharfe Kritik stoßen auch die enormen Ausgaben für die WM. Verschiedene Gruppen hatten zu Demonstrationen unter dem Motto "Ich verzichte auf die Weltmeisterschaft. Ich will Geld für Unterkunft, Gesundheit, Bildung und Transport mit Qualität“ aufgerufen.

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