Kolumbien im Aufstand: Frieden im Epizentrum der Gewalt

Auch über einen Monat nach Beginn der Proteste kommt Kolumbien nicht zur Ruhe. Die rechte Regierung setzt weiter auf eine Militarisierung der Städte. Ergebnis: Mehr als 60 Tote und über 200 Verschwundene

Am 28. Mai kündigt Präsident Ivan Duque die „vollständige Militarisierung und Einsatz aller Mittel“ zur Niederschlagung des Streiks an. Panzer rollen durch die Städte, Militärpolizei mit Maschinengewehren patrouilliert, Ausgangssperren jede Nacht ab 19.00, Zivilgekleidete feuern wahllos Schüsse in Proteste ab. Mittlerweile starben bei den Protesten über 60 Menschen, rund 200 gelten als Verschwunden. Tote wurden mit Säureverätzten Gesichtern in Flüssen und an Landstraßen gefunden. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – nehmen die Proteste noch zu. Getragen werden sie mittlerweile von einem Großteil der Bevölkerung. Sie richten sich gegen die Oligarchie, die politische und wirtschaftliche Elite.

Unter den Demonstrant:innen herrscht Aufbruchstimmung. Viele hoffen, nun tatsächlich reale Veränderungen durchsetzen zu können. Auf den Straßen und Demonstrationen erlebt man jenseits der Gewalt auch diese Hoffnung. Aktivist:innen der sogenannten ersten Reihe schützen die Demonstrationen und Blockaden und werden von Unterstützer:innen verpflegt. Befeindete Banden haben Waffenstillstand und verbünden sich gegen die staatliche Repression. Selbstorganisierte Gesundheitsstationen versorgen alle, auch die, die sonst keinerlei Chance auf medizinische Behandlung haben. Konzerte und kulturelle Veranstaltungen bringen die Menschen zusammen.

Seit dem 28. April befindet sich Kolumbien in diesem Ausnahmezustand. Straßenblockaden fordern seit über einem Monat die Wirtschaft heraus. Reisen zwischen den Städten sind über Land kaum möglich. Eine angekündigte Steuerreform, die für viele Menschen in dem Land, das sowieso eines der ungleichsten der Welt ist, existenzbedrohend war, ist der Auslöser für den landesweiten Generalstreik. Sie wurde schon vor zwei Wochen gekippt. Trotzdem keine Ruhe. Mittlerweile ist das Ziel der Sturz der Regierung, deswegen hat auch das Verhandlungsangebot einzelner Politiker keine große Reichweite. Die Armut in Kolumbien ist groß und wird durch die Pandemie immer größer – rund die Hälfte der Menschen landesweit lebt unter der Armutsgrenze. Seit dem sogenannten Friedensabkommen 2016 sind in Kolumbien über 1000 soziale und politische Aktivist:innen, Menschenrechtsaktivist:innen und ehemalige FARC-Kämpfer:innen ermordet worden. Proteste gegen die Politik des Präsidenten Duque werden brutal niedergeschlagen, die Zahl der Menschenrechtsverletzungen steigt. So auch aktuell: Die Straßenblockaden und Demonstrationen werden von der Polizei, allen voran der Spezialeinheit ESMAD und paramilitärischen Verbündeten brutal angegriffen.

Online via Zoom: https://us02web.zoom.us/j/83961938050?pwd=UWZOdHRueDR1ZG1HVExoV0VjUk83Zz09

Termindaten
Datum: 11.06.2021, 02:30
Stadt: Worldwideweb
Veranstaltungsart: Vortrag und Diskussion
Veranstaltungsort: via Zoom
Veranstalter: Zakk e.V. und I Furiosi
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