Honduras / Deutschland

Bibelarbeit mit Putschisten

Kirchentag in München bietet honduranischem Kardinal und Putschisten Rodríguez Maradiaga ein Podium. Veranstalter schweigen zu Kritik

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Bibelarbeit mit Putschisten
Verteidigt Putsch, verharmlost Morde: Kardinal Rodríguez

München. Während die EU nach internationalen Protesten eine Einladung an den De-facto-Präsident von Honduras, Porfirio Lobo, zurückgenommen hat, wird einem prominenten Fürsprecher des Staatsstreiches in dem mittelamerikanischen Land in Deutschland ein Forum geboten: Der honduranische Kardinal Oscar Rodríguez Maradiaga nimmt an dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München teil.

Rodríguez hatte den Militärputsch gegen den letzten demokratisch gewählten Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya, mehrfach verteidigt und die tödliche Gewalt gegen Aktivisten der Demokratiebewegung verharmlost. Laut Programm des Kirchentags wird der Kirchenfunktionär am Freitag und Samstag an vier Veranstaltungen auf dem Messegelände in München teilnehmen. So will der Putschist Rodríguez mit den deutschen Gästen unter anderem "Bibelarbeit" leisten. Menschenrechtsorganisationen haben dagegen Proteste angekündigt.

Nach dem Putsch am 28. Juni vergangenen Jahres in Honduras habe der Kardinal den Staatsstreich als "verfassungsmäßige Nachfolge" verteidigt, heißt es in einem offenen Brief der Menschenrechtsorganisation FIAN International an das Präsidium des Ökumenischen Kirchentages. Rodríguez sei damit der Sprachregelung der Putschisten gefolgt. "Die internationale Gemeinschaft hat den Staatsstreich dagegen einhellig als solchen verurteilt und die Rückkehr zu Demokratie und verfassungsmäßiger Ordnung gefordert", erinnert der Zentralamerika-Referent von FIAN International, Martin Wolpold-Bosien.

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"Erhebliche Irritationen" habe das Schweigen des Kardinals zu den Menschenrechtsverletzungen nach dem Putsch ausgelöst. "Die alarmierenden Berichte der nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen, der Interamerikanischen Menschenrechtskommission und der UNO wurden von ihm ignoriert", so Wolpold-Bosien. Selbst als Mitglieder der Kirche wegen ihres Engagements in der Demokratiebewegung Opfer von Gewalt und Unterdrückung wurden, habe der Erzbischof geschwiegen. "Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die kirchlichen Partner in Deutschland Kardinal Rodríguez kein Forum zur Selbstdarstellung bieten. Stattdessen sollten sie ihn zu einem offenen Dialog auffordern und Rechenschaft verlangen für sein Reden und Schweigen der vergangenen Monate". Die Einladung "ist aus unserer Sicht unglücklich und befremdlich", meint FIAN International.

Amerika21.de fragte am Donnerstagvormittag bei der Geschäftsstelle des Vereins 2. Ökumenischer Kirchentag München 2010 nach, ob die Rolle des honduranischen Bischofs tatsächlich nicht bekannt war. Bis zum Freitagabend reagierte der verantwortliche Pressesprecher Dr. Martin Stauch trotz mehrmaliger Nachfrage nicht. An Überforderung kann es nicht gelegen haben: Die Geschäftsstelle des Vereins beschäftigt nach eigenen Angaben 80 hauptamtliche Mitarbeiter.


Bildquelle: masterplan24.de

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