Guatemala

Neue Hinweise auf Kampagne gegen Alvaro Colón

Die Mörder des Anwalts Rosenberg in Guatemala unterhielten Kontakte zu Polizei und Geheimdienst

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Neue Hinweise auf Kampagne gegen Alvaro Colón
Nach dem Mord: Protest gegen die Regierung von Colón

Guatemala-Stadt. Neuere Untersuchungen der Staatsanwaltschaft in Guatemala haben eine Verstrickung von Polizei und Geheimdienst in den Mord des Rechtsanwaltes Rodrigo Rosenberg im vergangenen Jahr ergeben. In den Mobiltelefonen der Mörder seien mehr als 20 Nummern von Agenten der Nationalen Polizei Guatemalas PNC (Policía Nacional Civil) zuzuordnen seien.

Laut einem Bericht der Tageszeitung Prensa Libre befanden sich in den sichergestellten Handys der mutmaßlichen Tätergruppe außerdem Videos, die Aufschluss über das Agieren der Gruppe geben sowie Anleitungen zur Handhabung von Waffen. Jedem der in den Fall Verwickelten habe man außerdem mehr als 500 Telefonkontakte nachgewiesen, unter denen sich Namen von Agenten, Polizeikommissaren und Ermittlern unterschiedlicher Einheiten der Polizei befanden.

Alle aufgeführten Telefonnummern sind ab sofort Teil der von der Internationalen Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) durchgeführten Untersuchung. Es soll herausgefunden werden, wer die Kommissare und Agenten sind, die Kontakte zu den Auftragsmördern unterhielten. Demnach seien Mitarbeiter des Innenministeriums, der Kriminalpolizei DINC sowie der Anti-Drogen-Abteilung DAIA in den Fall verwickelt.

Es wird angenommen, dass die Täter straffrei Entführungen und Morde begehen sowie Drogen, Geld und Waffen rauben konnten. Außerdem ergab die Auswertung der Anrufe, dass die Bande vorwiegend in Guatemala-Stadt und im etwa 45 Kilometer südwestlich der Hauptstadt gelegenen Escuintla operierte.

Nach der Analyse von mehr als 100.000 Anrufen und Textnachrichten habe sich der Verdacht erhärtet, dass die Kontakte der Gruppe bis in die Nachbarländer El Salvador und Nicaragua reichten und die Anrufe hauptsächlich von Einkaufszentren und Plätzen in der Hauptstadt, der Altstadt, Villa Nueva und Escuintla getätigt wurden.

Die Gruppe der Verbrecher soll aus zwei Expolizisten, zwei aktiven Geheimagenten, einem ehemaligen Mitarbeiter des Militärs und vier weiteren Personen bestehen, die bereits wegen Mordes, Drogenhandels, Geldwäsche, Entführung und Erpressung vorbestraft sind.

Der Mord an Rosenberg, einem Anwalt und Politiker des Bündnisses Gran Alianza, hatte im vergangenen Jahr zu massiven Protesten gegen die Regierung von Präsident Alvaro Colón geführt. Die neuen Erkenntnisse schüren nun die Vermutung, dass hinter dem Mord ein politischer Plan stand. Die Regierung von Colón ist wegen ihrer gemäßigten Haltung bei der guatemaltekischen Oligarchie und bei ausländischen Befürwortern neoliberaler Freihandelssysteme unbeliebt. Auch die deutsche FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung nimmt eine kritische Position gegen die Staatsführung in Guatemala ein.


Die Originalmeldung stammt von unserem Partnerportal poonal. Bearbeitung und Ergänzung: amerika21.de

Bildquelle: farm4.static.flickr.com

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