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Jüdisches Lateinamerika

Die ila widmet sich der jüdischen Kultur in Lateinamerika

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Jüdisches Lateinamerika
Jüdisches Lateinamerika

Bonn. Die Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika (ila) widmet sich in ihrer April-Ausgabe den jüdischen Einflüssen auf dem Subkontinent. Dass der Themenschwerpunkt sich gerade nicht auf den "Anti-Aspekt", den Antisemitismus, reduziert, wie laut Editorial zunächst geplant war, macht ohne Zweifel die Stärke des Heftes aus. Die beiden regionalen Schwerpunkte der ila bilden der Conosur und die Karibik, wobei gerade die Ausnahmen wie der Bericht von Andreas Hetzer über die "höchst gelegene jüdische Gemeinde der Welt" (La Paz) besonders spannend sind. Inhaltlich sticht gerade die Normalität von jüdischer Kultur und Religion in Lateinamerika hervor, beschrieben von mehrheitlich linken Lateinamerikanern mit jüdischen Wurzeln, die das Verhältnis von Religion, Kultur und Nationalismus bzw. Zionismus vielseitig und kritisch reflektieren. Unter dem Stichwort "Jüdische Geschichten" werden außerdem Lebensläufe aus der jüdischen Einwanderung nach Lateinamerika dokumentiert.

Dass allerdings nicht nur die von der ila gewohnten linken Ansätze in der Debatte eine Rolle spielen, dokumentieren Beiträge von Autoren wie Werner Rätz, der auf zwei Seiten verwirrte "antideutsche" Ideologiesubstrate referieren darf, sowie der Beitrag von Wolf-Dieter Vogel, in dem dieser seiner publizistischen Lieblingsbeschäftigung nachgeht, nämlich die Alba-Staaten und insbesondere Venezuela des "Antisemitismus" zu zeihen. Zwar ist es völlig unverständlich, warum die ila solchen Autoren mit Alles-Nazis-Außer-Mami-Neurose Platz bietet, andererseits beeinträchtigen diese Beiträge die Ausgabe nicht nennenswert, zumal die lateinamerikanischen Autoren selber differenzierte und vielseitige Beiträge - auch zum Thema Antisemitismus - zum Themenschwerpunkt beigesteuert haben. Hervorzuheben sind unter einer Vielzahl von Artikeln das Interview mit Guillermo Lipis, der eine klare Trennung zwischen Antisemitismus und Israelkritik einfordert, sowie eine Übersicht von Angela Reyes über die Debatte um Antisemitismus in Venezuela.

Neben dem Schwerpunkt stehen in dem Heft Beiträge zu den Parlamentswahlen in Kolumbien sowie ein dringender Aufruf von Gaby Küppers für eine Kampagne gegen das EU-Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru. Ina Hilles gibt einen Überblick über Honduras nach der Machtübernahme von Pepe Lobo, Eindrücke von der Internationalen Buchmesse in Havanna beschließen das Heft.


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