Kolumbien / Politik

Überraschung im kolumbianischen Wahlkampf

Grüner Kandidat führt bei aktuellen Umfragen mit Abstand vor konservativen Präsidentschaftanwärtern

encuesta_203948_mockus.jpg

Überraschung im kolumbianischen Wahlkampf
Grüner Kandidat Antanas Mockus

Bogotá. Im Präsidentschaftswahlkampf in Kolumbien zeichnet sich ein überraschender Richtungswechsel ab. Antanas Mockus, der Kandidat der Partei Die Grünen, führt nach aktuellen Umfragen mit 38 Prozent deutlich vor Manuel Santos aus der Partei des Präsidenten Álvaro Uribe. Der ehemalige Verteidigungsminister Santos liegt danach nur bei 29 Prozent. Dieses Ergebnis einer repräsentativen Umfrage veröffentlichte das Institut Ipsos-Napoleón am Montag. Sollte sich diese Tendenz bestätigen, hat erstmals seit vielen Jahren ein politischer Außenseiter eine Chance, das Präsidentschaftsamt in Kolumbien zu erlangen. Die Wahlen finden am 30. Mai statt.

Die aktuellen Umfragen überraschen die kolumbianische Öffentlichkeit vor allem, weil bei den Regionalwahlen vor sechs Wochen die konservativen Parteien starke Gewinne verzeichnet hatten. Allerdings konnte dieses Ergebnis bei genauerer Betrachtung nicht als Aussage über die Stimmung in der Bevölkerung gelten: Die Wahlbeteiligung hatte bei nur 35 Prozent gelegen und alle Beobachter berichteten über massive Unregelmäßigkeiten im Wahlgang. Vor allem der Kauf von Wählerstimmen sei weit verbreitet gewesen.

Die Umfragewerte für Mockus haben sich innerhalb der vergangenen zwei Wochen fast verdoppelt. Kolumbianische Medien sprechen deshalb von einer "grünen Welle". Beobachter wie der deutsche Politikwissenschaftler Raul Zelik interpretieren die Zustimmung für Mockus als Überdruss mit dem in Kolumbien herrschenden mafiösen Regime. Ein grundsätzlicher Politikwechsel sei von dem Zentrumskandidaten jedoch nicht zu erwarten.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

In den vergangenen Wochen hatte Mockus Schlagzeilen gemacht, als er öffentlich bekannte, dass er an Parkinson erkrankt ist. Außerdem steht er für eine offenere Politik bezüglich der lateinamerikanischen Integration und distanzierte sich von der Kriegsrhetorik des aktuellen Präsidenten Uribe gegenüber den Nachbarstaaten Venezuela und Ecuador. Die ecuadorianische Justiz bestätigte unterdessen am Montag einen Haftbefehl gegen den Kandidaten Manuel Santos. Als ehemaliger Verteidigungsminister sei er verantwortlich für den Überfall kolumbianischer Truppen auf Ecuador am 1. März 2008.

Antanas Mockus gilt in Kolumbien als politischer Außenseiter. Von 1996 bis 1998 war er als Bürgermeister der Hauptstadt Bogóta überregional bekannt geworden, da er durch unkonventionelle Methoden das zivilgesellschaftliche Engagement stärkte. Allerdings trat er damals vom Bürgermeisteramt zurück, um als Vizepräsident für die konservative Kandidatin Noemí Sanín zu kandidieren. Die Konservative tritt im aktuellen Wahlkampf ebenfalls gegen Manuel Santos an, was eine Spaltung des konservativen Lagers bedeutet. Sie liegt in der aktuellen Umfrage bei 11 Prozent. Bei den Wahlen im Jahr 2006 erreichte Mockus mit einer selbstständigen Kandidatur schließlich nur 1,24 Prozent.


Bild: Wikipedia

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr