Ecuador / Venezuela / Politik

Regionalgipfel in Ecuador

Ecuador und Venezuela vertiefen Zusammenarbeit

Regional_645372_gipfel_0.jpg

Regionalgipfel in Ecuador
Correa und Chávez in Quito

Quito. Evo Morales und Hugo Chávez begleiteten gestern den ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa zu den Feierlichkeiten der Schlacht von Pichincha. Vor 187 Jahren erlangte Ecuador bei dem Gefecht an einem Vulkan in der Nähe von Quito seine Unabhängigkeit von Spanien. Die Feierlichkeiten boten den Auftakt für ein längeres bilaterales Treffen zwischen Ecuador und Venezuela. Vertreter beider Länder setzten sich in Arbeitsgruppen zu den Themen Energie, Lebensmittel- und Produktionsentwicklung, zur Finanzpolitik und Wissensaustausch zusammen. Als Ergebnis konnten neue Verträge über Kakaoproduktion und -verarbeitung, ökologische Landwirtschaft und Fischfang sowie Kooperationen bei Tourismus- und Bergbauprogrammen unterschrieben werden. Darüber hinaus entwickelten beide Länder die Planungen für ein binationales System des Zahlungsausgleichs weiter. Unter anderem wurde die Gründung einer Handelkammer beschlossen, welche die zwischen beiden Ländern ausgetauschten Leistungen verrechnen soll. Rafael Correa kündigte nach dem Ende des Treffens an, dass im nächsten Jahr damit begonnen werden soll, eine gemeinsame Raffinierie aufzubauen.

Zusammenarbeit der indigenen Völker

Der Bereich Wissensaustausch betrifft vor allem die Kooperation zwischen indigenen Kulturen. Beide Regierungen wollen die indianischen Gemeinden auf ihren Staatsgebieten stärker darin unterstützen, ihr Wissen und ihre Kenntnisse auszutauschen. Manuela Gallegos, ecuadorianische Staatssekretärin für indigene Völker, soziale Bewegungen und Partizipation, sieht in den Verträgen die Möglichkeit, einen lateinamerikanischen Einigungsprozess von unten zu unterstützen: "Es ist äußerst wichtig, dass alle Völker Amerikas sich vereinigen, vor allem die ursprünglichen Völker des amerikanischen Kontinents, welche die größten Ungerechtigkeiten der Geschichte erlitten haben." Dazu gehöre ein Interesse für die Kultur ihrer Vorfahren und der Schutz indigener Territorien. Die Ministerin für indigene Kulturen Venezuelas, Nicia Maldonado, betonte die Bedeutung der indigenen Kulturen für aktuelle politische Debatten: "Wir wollen, dass diese Kenntnisse in unsere eigenen Zukunftsentwürfe einfließen, von den alternativen Lebensentwürfen bis zu einem Sozialismus, von dem wir sagen, dass er in der indigenen Tradition dieses Kontinents wurzelt."

Vorschlag für eine souveräne Menschenrechtspolitik

Am Samstag regten die beiden Präsidenten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz an, im Rahmen des südamerikanischen Bündnisses Unasur eine eigene Kommission für Menschenrechte und Pressefreiheit zu gründen, die unabhängig von der Einflussnahme durch die USA und private Unternehmen ist. Die Vertreter der sozialistischen Regierungen sehen sich seit ihrem Amtsantritt mit scharfen Angriffen aus den privaten Medienunternehmen konfrontiert. Bei entsprechenden Konflikten ergreifen die Institutionen der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) normalerweise Partei für die Medienkonzerne. Rafael Correa rief dazu auf, öffentliche und alternative Medien zu unterstützen, um die Meinungsmacht privater Unternehmen zurückzudrängen. Er schloss aber auch eine strengere Gesetzgebung nicht aus.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr