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Chávez: Honduras steht an der roten Linie

Internationale Delegation wird honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya bei der Rückkehr begleiten

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Chávez: Honduras steht an der roten Linie
"Micheleti - du bist nicht mein Präsident. Das Volk" - Grafitto in Tegucigalpa

Caracas, Tegucigalpa. Mit Spannung wird erwartet, ob und wie am morgigen Donnerstag die Rückkehr des aus dem Amt geputschten Präsidenten von Honduras, Manuel "Mel" Zelaya, in seine Heimat verlaufen wird. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde bekannt, dass ihn neben dem Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, die Staatsoberhäupter von Argentinien, Cristina Fernández de Kirchner, und Ecuador, Rafael Correa, begleiten werden. Die Argentinierin vertritt dabei die im Markt des Südens (Mercosur) organisierten Staaten Südamerikas, während der Ecuadorianer für die Bolivarianische Allianz für Amerika (ALBA) neben Zelaya stehen wird. Honduras war im August 2008 der ALBA beigetreten.

Auf die Entscheidung von OAS, ALBA und Mercosur, die Vorgänge vom vergangenen Sonntag in Tegucigalpa als Staatsstreich anzusehen und sie zu ahnden, reagierte die Putschregierung umgehend. Interimspräsident Roberto Micheletti drohte am gestrigen Dienstag, Zelaya würde verhaftet werden, wenn er das Land wieder beträte. Gegen seinen Amtsvorgänger liege ein Haftbefehl vor.

Micheletti kündigte an, dass er Zelaya vor dem Interamerikanischen Menschenrechtshof in Costa Rica anklagen werde. Eben diese Institution entschied gestern, dass sie den Staatsstreich in Honduras untersuchen wird. Der Außenminister der von den Putschisten eingesetzten Regierung, Enrique Ortez Colindres, machte die ALBA-Mitglieder - namentlich das Nachbarland Nicaragua und Venezuela - für die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Demonstranten verantwortlich, die für die Rückkehr von Zelaya auf die Straße gehen.

Trotz kritischer Töne aus Washington und Brüssel fühlt sich Micheletti in seinem Amt bestätigt, weil die beiden Machtzentren des Nordens immer noch nicht von einem Putsch sprechen und niemand außer den ALBA-Staaten seine Botschafter aus Tegucigalpa abgezogen hat. Eine weitere Eskalation des Konflikts droht dennoch, wenn morgen die internationale Delegation in Honduras landet und Zelaya verhaftet würde.

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Venezuelas Präsident Hugo Chávez kündigte in Managua an, dass er aus Sicherheitsgründen nicht mit nach Honduras reisen könnte. "Ich würde gerne an der Seite von Mel stehen, aber ich sollte es nicht tun, weil man dort sagt, dass ich der Schuldige an dem Ganzen sei", sagte der Comandante der Bolivarischen Revolution kurz vor seiner Rückreise vom ALBA-Krisengipfel. Laut Medienberichten befürchtet Chávez, dass es ihn nicht wundern würde, wenn ein gut ausgebildeter Scharfschütze auf ihn oder die internationale Delegation schösse.

Der Präsident schloss aber nicht aus, dass sein Außenminister Nicolás Maduro gemeinsam mit seiner honduranischen Amtskollegin, Patricia Rodas, nach Tegucigalpa flöge. Auf Michelettis Statement zu Zelayas Rückkehr antwortete Chávez, dass Honduras an der "roten Linie" stünde. Diese würde übertreten, falls der internationalen Delegation etwas zustieße.

Dann "werden die ALBA-Staaten nicht untätig bleiben", warnte Chávez. In dem Fall könnte es zu einem Bürgerkrieg in dem zentralamerikanischen Land kommen, der eine militärische Intervention der UNO nach sich zöge, führte der Comandante weiter aus. Angesichts der Bedrohungslage riet er Insulza, er solle die Delegation von einer internationalen Militäreinheit schützen lassen. "Wir können nicht zulassen, dass einige Spinner einen Präsidenten oder einen seiner Begleiter ermorden oder sie entführen und in den Kerker werfen", machte Chávez deutlich. Militär und Putschregierung rief er auf, zur Besinnung zu kommen und die verfassungsmäßige Ordnung wieder herzustellen.


Bildquelle: radiomundial.com.ve

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