Venezuela

Comandante im Endspurt vorne

Umfrageinstitute prognostizieren Chávez' Sieg beim Verfassungsreferendum

Caracas. Könnten die Venezolaner schon jetzt über die Verfassungsänderung, die die Wiederwahl des Präsidenten erlaubt, abstimmen, dann würden 54 Prozent dafür stimmen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituto Venezolano de Análisis de Datos. Das Referendum wird am 15. Februar stattfinden.

Über dieses Ergebnis freut sich auch Hugo Chávez. Das Staatsoberhaupt schrieb dazu in seiner Zeitungskolumne: "Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Offensive unserer Kräfte einen Rhythmus angenommen hat, der sich zunehmend steigert, präzisiert und landesweit ausbreitet." Schon seit Wochen mobilisiert der Präsident seine Anhänger und die Mitglieder seiner Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), damit sie am Wahltag genügend Wähler in die Stimmlokale bringen. Diese fehlende Vorarbeit war einer der Gründe, weshalb das Verfassungsreferendum vom Dezember 2007 scheiterte. Chávez ließ es sich nicht nehmen, als gutes Beispiel voranzugehen und in seinem Wahlbezirk, die potentiellen Wähler direkt anzusprechen und sie über die Bedeutung der Abstimmung zu sensibilisieren.

Die Euphorie des Comandante der Bolivariansichen Revolution mochte das private Umfrageinstitut Datanálisis nicht teilen. Laut einer eigenen Umfrage, die aber schon Mitte Januar erhoben wurde, würden nur knapp 51 Prozent der Venezolaner für die Verfassungsänderung stimmen, aber 48 Prozent dagegen. Faktoren, die sich negativ auf das Abstimmungsverhalten auswirken könnten, sind die Demonstrationen der oppositionellen Studenten und die Vorstellung der Wiederwahl, die dann nicht mehr auf zwei Legislaturperioden begrenzt wäre. Für Chávez spreche die Tatsache, dass zukünftig nicht nur das Staatsoberhaupt beliebig oft zur Wiederwahl antreten darf, sondern auch andere Volksvertreter wie Gouverneure und Bürgermeister, stellt Datanálsis fest. Ein weiteres Moment ist, dass vielen Venezolanern klar geworden ist, was drohen wird, wenn der Präsident das Referendum verliert. Dass dann Chaos und Gewalt ausbrechen werden, entspringt weniger der Botschaft des PSUV-Vorsitzenden, sondern das haben die Gouverneure und Bürgermeister der Opposition eindeutig bewiesen, als sie nach ihren Wahlsiegen im November 2008 gegen die Sozialprogramme der Regierung Chávez vorgingen.

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