Kolumbien

Dimensionen eines Völkermords

Zwischen 150.000 und einer halben Million Tote in Kolumbien. Streit über Anzahl der Verschwundenen

Bogotá. Zum Internationalen Tag der Menschenrechte stellte die Sondereinheit Gerechtigkeit und Frieden der kolumbianischen Staatsanwaltschaft ihre Bilanz bei der Aufarbeitung paramilitärischer Verbrechen vor. In den letzten 20 Jahren seien etwa 156.000 Personen durch informelle Verbände ermordet worden. Die Allermeisten wurden Opfer der mit dem kolumbianischen Staat kooperierenden Paramilitärs, zu "einem geringen Prozentsatz" seien die Guerilla-Organisationen FARC und ELN für Tote verantwortlich.

Die gravierendste Form der Gewalt ist das Verschwindenlassen von Personen, die zuvor durch Sicherheitskräfte verhaftet oder von Paramilitärs entführt worden waren. "Wir haben in Zusammenhang mit der Problematik des Verschwindens landesweit 210.000 Opfer festgestellt, von denen wir bisher 2.494 Leichen aufgefunden haben.", erklärte Staatsanwalt Freddy Encinales. Die Mehrheit der Fälle stamme aus den 1980er und 1990er Jahren, dies entspreche der aktivsten Phase der paramilitärischen Aktivitäten.

Gleichzeitig mit der Staatsanwaltschaft trat die Opposition in Bogotá mit einer eigenen Bilanz der Menschenrechtsverbrechen durch die kolumbianischen Regierungen an die Öffentlichkeit. In den vergangenen 33 Jahren habe es 500.000 Fälle von Verschwundenen gegeben, erklärte die Senatorin Gloria Inés Ramírez. Damit setzt die Opposition die Opferzahlen etwa doppelt so hoch an wie die Staatsanwaltschaft. Die Abgeordnete des linken Polo Democrático Alternativo (PDA) forderte eine gesetzliche Regelung gegen das Verwindenlassen. Die Nicht-Regierungsorganisation Fundación Nydia Erika Bautista verwies darauf, dass der Sonderstaatsanwaltschaft bisher nur 27.000 Anzeigen von Angehörigen vorliegen. Allerdings gehe man davon aus, dass 90 Prozent der Fälle niemals angezeigt wurden.

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