Entwicklungsländer fordern Vorfahrt für Wohlstand

Vorbereitungstreffen für UNO-Nachhaltigkeitskonferenz legt sich auf Armutsbekämpfung fest. "Mutter Erde" erstmals auf Rio+20-Agenda

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Der bolivianische Verhandlungsführer für die Rio+20-Konferenz René Orellana beim Weltwasserforum 2009 in Istanbul
Der bolivianische Verhandlungsführer für die Rio+20-Konferenz René Orellana beim Weltwasserforum 2009 in Istanbul

New York/La Paz. Boliviens Linksregierung rührt die Werbetrommel für die Selbstbestimmung des globalen Südens. Das Recht auf eigenständige wirtschaftliche Entwicklung dürfe nicht von grünen Umweltpolitiken aus den wohlhabenden Industrienationen gehemmt werden, kritisiert die Regierung des Andenlandes. Auf der Staatenkonferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (UNCSD) Mitte Juni im brasilianischen Rio de Janeiro wird darum laut Medienberichten erstmals international über das andine Konzept der "Mutter Erde" und ihre Rechte beraten. Der bolivianischen Verhandlungsführung sei es im Rahmen der G77+China-Staaten gelungen, den Begriff im offiziellen Vorschlag des Bündnisses der Entwicklungsstaaten zu verankern.

Laut Boliviens Verhandlungschef für die Nachhaltigkeitskonferenz Rio+20, René Orellana, ist das Thema "Mutter Erde" auf einem Vorbereitungstreffen in New York in die Agenda eingeflossen. Es handele sich um "eine Formulierung, welche seine Wichtigkeit unterstreicht", sagte Orellana dem Radiosender Erbol. Zwar sind die Verhandlungen über die Endversion des Papiers der G77 und China noch nicht abgeschlossen. Mangels strenger Regeln zur Texteingabe wird der bolivianische Vorschlag auf der UNCSD-Konferenz in sechs Wochen aber wohl erstmals die Bühne internationaler Diplomatie betreten.

Nach Monaten der Gespräche sei es Bolivien "mit Vorschlägen und durch Zusammenarbeit mit allen Ländern der G77+China" gelungen, die andine Vorstellung von "Pachamama" und "Buen Vivir" als ein neues strategisches Paradigma einzuführen, schreibt Orellana in einem Internetblog. "Das Dokument wird die Sicht der Welt auf Natur und Entwicklung verändern".

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Für die Entwicklungsländer steht die Beendigung der Armut im Mittelpunkt nachhaltiger Entwicklung. Die ärmsten Länder der Welt fordern das Recht auf Entwicklung ein. Schon Ende 2011 hatte Brasiliens UNCSD-Verhandlungsführer André Corrêa do Lago stellvertretend für die Entwicklungsländer die "Ent-Umweltpolitisierung" des Nachhaltigkeitsdiskurses und mehr Anstrengungen für Armutsbekämpfung gefordert.

Weitere Forderungen aus dem linksregierten Bolivien sind das Menschenrecht auf Wasser, die Harmonie mit der Natur, eine holistische Weltsicht, Nahrungssicherheit, der Schutz der Berge vor Klimawandelfolgen und eine Reform der globalen Finanzarchitektur. Auch die Anerkennung der Rolle indigener Völker für die Bewahrung von Saatgut, Agro- und Biodiversität und ihrer Rechte sowie der Wandel nicht nachhaltiger Konsum- und Produktionsstrukturen und "Anerkennung und Respekt der Existenz verschiedener Modelle, Visionen, Politiken und Instrumente auf der Grundlage der Souveränität jedes Staates" sind im Forderungskatalog enthalten. Angesichts globaler Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialkrisen müsse anerkannt werden, dass allein "marktbasierte Wachstumsstrategien unzureichend und kein Garant für sicheres und gerechtes Wachstum sind und die Probleme von Armut, Gesundheit, Bildung und Arbeit nicht lösen", so Orellana.


Das Nachrichtenportal amerika21.de wird in Zusammenarbeit mit dem Pressedienst Poonal aktuell über den Rio-20-Gipfel und den alternativen Gipfel der Völker berichten.

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