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Erschwerte Einreise für Spanier nach Brasilien

Behörden reagieren auf entsprechende Maßnahmen in Madrid. Prinzip der Gegenseitigkeit auch gegenüber den USA

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Internationaler Galeao-Flughafen in Rio de Janeiro
Internationaler Galeao-Flughafen in Rio de Janeiro

Brasília/Madrid. Brasilien hat die Einreisebestimmungen für Bürger aus Spanien verschärft. Damit reagiert die Regierung auf entsprechende Maßnahmen der spanischen Behörden. Besucher aus Spanien brauchen zwar weiterhin keine Visa, um nach Brasilien zu reisen. Jedoch müssen sie eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, um zukünftig ins Land gelassen zu werden. Die brasilianischen Behörden führten zur Begründung das Prinzip der Gegenseitigkeit an.

Zu den neuen Bedingungen für die Einreise spanischer Bürger zählt ein künftig obligatorischer Nachweis über ausreichende Bargeldreserven von knapp 80 Euro pro Tag des geplanten Aufenthaltes. Zudem werden ein Rückflugticket sowie eine Hotelreservierung oder bei einem Privataufenthalt eine notariell beglaubigte Einladung notwendig.

Die seit dieser Woche geltenden Maßnahmen unterscheiden sich nur geringfügig von den bisher geltenden, werden gegenüber Spaniern seit dieser Woche aber rigoros angewendet. Reisende aus anderen Mitgliedsstaaten der EU sind nicht betroffen.

Brasilien reagiert damit auf die als ungerecht und in vielen Fällen zu hart empfundene Behandlung von Brasilianern bei der Einreise nach Spanien. In den vergangenen vier Jahren seien unverhältnismäßig viele Brasilianer wieder zurückgeschickt worden, ohne dass ihnen die Einreise nach Spanien gestattet wurde, heißt es aus dem südamerikanischen Staat. Zuletzt hatte der Fall einer 77-jährigen Brasilianerin für mediale Aufregung gesorgt, die drei Tage auf dem internationalen Flughafen Barajas in der spanischen Hauptstadt Madrid ausharren musste, da sie für den Besuch ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns keine Einladung vorweisen konnte.

Seit jeher geht Brasilien nach dem Prinzip der Reziprozität vor, wenn es um Einreisebestimmungen geht. Vor ein paar Jahren gab es eine ähnliche Auseinandersetzung mit den USA, als man dazu überging von US-amerikanischen Touristen bei der Einreise Lichtbild und Fingerabdrücke zu nehmen. In den vergangenen Tagen nun wurden viele Spanier wieder ins Flugzeug gesetzt, ohne ins Land gelassen worden zu sein.

Im Gegensatz zu vielen kleineren lateinamerikanischen Staaten kann Brasilien sich eventuelle Einbußen beim Tourismus wirtschaftlich leisten. Dabei könnten in der derzeitigen Situation beiden Seiten voneinander profitieren. Brasilien benötigt aufgrund seines Wirtschaftsbooms ausländische Fachkräfte. Erst kürzlich wurde ein entsprechendes Visa-Programm aufgelegt. In Spanien dagegen herrscht Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit. Die spanische Regierung hat bereits angekündigt, ein Abkommen mit Brasilien anzustreben, um qualifizierten Arbeitnehmern den Zugang zum brasilianischen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

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