Panamas Indigene wehren sich gegen Bergbau

Tote und Verletzte bei Polizeieinsatz gegen Straßenblockade. Nach einer Woche Protest Verhandlungen mit Regierung begonnen

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Brennende Autoreifen in Panama
Die Zusammenstöße der letzten Tage forderten zwei Todesopfer und dutzende Verletzte

Panama-Stadt. Nach tagelangen heftigen Protesten von indigenen Bevölkerungsteilen in Panama haben sich Vertreter der Ngöbe-Buglé und die Regierung von Panama am Dienstag (Ortszeit) auf eine Einstellung der Proteste und weitere Gespräche verständigt. Die Indigenen verlangen den Schutz ihrer Gebiete vor Großvorhaben wie Kupferminen und Wasserkraftwerken und fordern die Rücknahme eines gesetzlichen Vorhabens, das solche Bauprojekte ermöglichen soll.

Am Sonntag war die Lage eskaliert, nachdem die Polizei die Fernverkehrsstraße Interamericana im Westen des mittelamerikanischen Landes nahe der Grenze zu Costa Rica nach fünf Tagen Blockade gewaltsam räumte. Mindestens ein Protestler wurde von den Sicherheitskräften erschossen, dutzende wurden verletzt. Im Anschluss kam es zu heftigen Ausschreitungen. In weiten Teilen des Landes wurden Solidaritätskundgebungen organisiert, die teilweise weiter andauern. Auch im Nachbarland Costa Rica gingen Menschen zur Unterstützung der Proteste auf die Straße.

In dem nun vereinbarten Abkommen unter Vermittlung der katholischen Kirche verpflichtet sich die Regierung, ihre Aufstandsbekämpfungseinheiten aus der Region abzuziehen und die Sicherheit der indigenen Vertreter zu garantieren. Daneben sicherte der Staat zu, alle festgenommenen Demonstranten sofort wieder freizulassen und für die medizinische Versorgung der Verletzten zu sorgen. Außerdem wird die Regierung das lahmgelegte Telefon- und Mobilnetz wieder verfügbar machen. Der Einigung waren sechsstündige Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien in der westlichen Stadt San Lorenzo vorausgegangen.

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In der Hauptstadt Panama-Stadt demonstrierten am Mittwoch erneut Indigene und Gewerkschaften. Laut der kubanischen Narichtenagentur Prensa Latina verkündeten die Protestierer, vor der Nationalversammlung zu verharren bis ein Gesetz zum Schutz des indigenen Territoriums verabschiedet sei. Während die rechtsgerichtete Regierung von Präsident Ricardo Martinelli andeutete, der lokalen Bevölkerung mit einem Verbot von Bergbauprojekten entgegen kommen zu wollen, beharren die Indigenen darauf, auch Wasserkraftwerke in ihrem Lebensraum zu untersagen. Ngöbe-Buglé-Vertreter betonten am Mittwoch zudem, dass weiterhin ungefähr 200 an den Demonstrationen beteiligte Personen vermisst werden.

Die Konfliktregion im Westen Panamas ist reich an Bodenschätzen wie Kupfer und bisher nur wenig erschlossen. Vornehmlich ausländische Unternehmen wollen die Vorkommen ausbeuten und haben dabei auch den Berg Cerro Colorado im Visier, der den Indigenen heilig ist. Für die geplanten Minen müssten die Einwohner vieler Dörfer gegen ihren Willen von ihrem angestammten Gebiet umgesiedelt werden.

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