Lateinamerika drängt in Durban auf Verbindlichkeit

ALBA-Länder kritisieren Position der Industrieländer. Auch Kolumbien setzte sich für konkrete Ziele ein. Brasilien hält sich bedeckt

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Umweltaktivisten demonstrieren im südafrikanischen Durban für ein neues Klimaabkommen
Umweltaktivisten demonstrieren im südafrikanischen Durban für ein neues Klimaabkommen

Durban. Eine Vielzahl lateinamerikanischer Länder hat die Klimaverhandlungen im südafrikanischen Durban (COP17) äußerst kritisch begleitet. Vor allem die Länder des linksgerichteten ALBA-Bündnisses drängten während der seit dem 28. November laufenden Verhandlungen auf ein verbindliches Abkommen mit konkreten Zielen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes. Entsprechend brüsk wiesen sie einen hinter verschlossenen Türen ausgearbeiteten Textvorschlag zurück, der den Delegierten vorgelegt wurde. "Wir haben zwei Dokumente erhalten, die aus unserer Sicht etwas sehr gefährliches für den Planeten bedeuten", kritisierte der bolivianische Repräsentant René Orellana den Entwurf. Darin sollte die Ausarbeitung eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll auf die Zeit nach 2020 verlegt werden.

Nach zähem Ringen bis in die Morgenstunden einigten sich die Delegationen aus 190 Ländern am Sonntag schließlich zumindest auf einen "Fahrplan" zu einem neuen Klimavertrag. Demnach soll der Kyoto-Vertrag, der die Industriestaaten auf völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen verpflichtet, verlängert werden. Das 1997 geschlossene Abkommen wäre ansonsten im kommenden Jahr ausgelaufen. Die USA als größter Pro-Kopf-Produzent von CO2 bleibt damit zumindest für das kommende Jahrzehnt weiter außen vor. Ab 2020 soll ein neuer Vertrag das Kyoto-Protokoll ersetzen und auch die Schwellenländer einbeziehen. Die Gastgeberin des Gipfels und südafrikanische Außenministerin, Maite Nkoana-Mashabane, nannte das Ergebnis einen "historischen Meilenstein" im Kampf gegen den Klimawandel.

Insbesondere Ecuador hatte sich im Laufe der Verhandlung für die Einrichtung eines "Grünen Klimafonds" (GCF) stark gemacht, der schließlich ebenfalls am Sonntag verabschiedet wurde. Durch ihn sollen Hilfsgelder aus den Industrieländern an die so genannten Entwicklungsländer gezahlt werden.

Drastische Worte fand in der abschließenden Sitzung die Abgesandte Venezuelas, Claudia Salerno. "Dieses Abkommen wird die ganze Welt töten", sagte die Delegierte laut einem BBC-Bericht. Die Einrichtung eines Fonds bezeichnete sie als "Farce". "Es ist unmoralisch, von den sich entwickelnden Ländern zu verlangen, dass wir uns für 100 Milliarden US-Dollar verkaufen", so Salerno.

Brasilien als einziges "Schwellenland" unter den lateinamerikanischen Staaten hielt sich während der Verhandlungen mit den Kritiken zurück. Die Präsidentin des Landes, Dilma Rousseff, sprach sich vor allem für eine Fortführung des Kyoto-Protokolls aus. Dies sei "essentiell", sagte Rousseff nach Medienberichten. Ein neues verbindliches Abkommen, wie es nun erst ab 2020 geplant ist, würde auch Brasilien auf eine stärkere Reduzierung der Produktion von Treibhausgasen verpflichten. Vom Kyoto-Abkommen ist das südamerikanische Land hingegen nicht direkt betroffen. Dementsprechend "zufrieden" zeigte sich Rousseff dann auch mit dem am Sonntag erzielten Ergebnis.

Auch rechtsregierte Länder Lateinamerikas setzten sich für klare Ergebnisse in Durban ein. So erklärte der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, kein Ergebnis ohne konkrete Ziele zu akzeptieren. Er habe den kolumbianischen Umweltminister, Frank Pearl, instruiert, Allianzen zu schmieden, um "jedwede Erklärung, die keine konkreten Verpflichtungen enthält" zurückzuweisen. Kolumbien wird derzeit von massiven Regenfällen heimgesucht, die bereits 141 Menschenleben gekostet haben. Auch im vergangenen Jahr litt das Land unter einer Regenkatastrophe.

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