Kolumbien: Humanitäre Krise im Strafvollzug

Menschenrechtler fordern Schließung des Gefängnisses La Tramacúa. Politische Gefangene systematisch misshandelt

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Gefängnis La Tramacúa im kolumbianischen Valledupar
Gefängnis La Tramacúa im kolumbianischen Valledupar

Valledupar, Kolumbien. Die kolumbianische Menschenrechtsstiftung Lazos de dignidad befürchtet eine neue Repressionswelle gegen die Insassen der Haftanstalt La Tramacúa, die sich mit Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen die schlechten Bedingungen in dem Gefängnis wehren. Die Aktion wurde von 300 Häftlingen vor rund drei Wochen initiiert, um Präsidenten Manuel Santos dazu zu bringen, gegen die systematischen Misshandlungen in dem Hochsicherheitsgefängnis vorzugehen.

Die Insassen beklagen, dass vor allem die politischen Gefangenen brutalen Maßnahmen des Personals ausgeliefert sind. So seien einige dieser Insassen gefesselt und geschlagen worden. Andere Gefangene seien für längere Zeiträume in Isolationszellen eingeschlossen und tagelang ohne Trinkwasser Raumtemperaturen von rund 40 Grad Celsius ausgesetzt worden. Dies habe schon zu mehreren Selbstmorden geführt, so das Komitee für Politische Gefangene (FCSPP). Diese Organisation fordert deshalb die Schließung der Anstalt.

Das Gefängnis La Tramacúa war die erste von 16 entsprechenden Anstalten, die das US-amerikanische Bundesamt für Gefängnisse in Kolumbien gebaut hat. Auch das Personal und die Wachmannschaften wurden von der US-Behörde ausgebildet, was der Anstalt mit Blick auf das gleichnamige Foltergefängnis in Irak den Beinamen „Abu Ghraib Kolumbiens“ einbrachte. Für die Restrukturierung des Strafvollzugsanstaltssystems und den Bau der ersten Anstalten stellten die USA 4,5 Millionen US-Dollar bereit. Hintergrund war ein Abkommen für eine "neue Kultur im Strafvollzug", das im Jahr 2000 unterschrieben wurde.

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Dabei könne von einer neuen Kultur keine Rede sein, schreibt der Journalist  James Jordan vom Onlineportal Narconews. Die Häftlinge in La Tramacúa erhalten nach einem Bericht Jordans systematisch Essen mit Fäkalien und haben nur jeden zweiten Tag fünf Minuten lang Zugang zu Wasser. Die FCSPP berichtete bereits im Jahr 2010, dass die politischen Gefangenen dadurch Haar- und Nagelausfall sowie Blutungen im Rachenraum und im Stuhl aufwiesen. Medizinische Versorgung wurde abgelehnt.

La Tramacúa ist nicht das einzige Gefängnis Kolumbiens, in dem politische Gefangene misshandelt werden, so Jordan. Auch in anderen Haftanstalten werde gefoltert und es gebe Todesopfer durch Prügel. Laut der Koalition gegen die Folter wurden zwischen 2003 und 2008 rund 800 Fälle von Misshandlungen in den Gefängnissen des südamerikanischen Landes registriert. Beispiele dafür seien die Anstalten Palogordo im Bundesstaat Santander, Acacías im Bundesstaat Meta, La Dorada im Bundesstaat Caldas oder Cómbita im Bundesstaat Boyacá.

Von den schätzungsweise 7.500 kolumbianischen politischen Gefangenen gehören 500 zu den Guerillaorganisationen des Landes. Bei den übrigen handelt es sich nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen um Funktionäre von Landarbeiterorganisationen, Menschenrechtler, Akademiker und andere Sozialaktivisten, die anhand falscher Zeugen als Mitglieder der Guerilla angeklagt wurden. Solche Verfahren sind in Kolumbien als "montajes judiciales" bekannt, konstruierte juristische Fälle. So werden Oppositionelle bis zur drei Jahre im Gefängnis weggesperrt, bis ihre Prozesse verworfen werden. Allein zwischen 2002 und 2006 wurden 8.000 Menschen auf diese Art in Haftanstalten geschickt.

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