Paraguay / Politik

Feiermarathon in Asunción

Paraguay feiert 200 Jahre Unabhängigkeit. Neuer Fernsehsender eingeweiht

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Feuerwerk am Samstagabend
Feuerwerk am Samstagabend

Asunción. Am Wochenende haben in der paraguayischen Hauptstadt Asunción die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit des südamerikanischen Landes

begonnen. Den Auftakt machte am Samstag ein Gottesdienst in der städtischen Kathedrale, an dem neben Präsident Fernando Lugo auch die Präsidenten von Bolivien und Uruguay, Evo Morales und José Mujica teilnahmen. Kardinal Claudio Giménez, Vorsitzender der paraguayischen Bischofskonferenz hob in dem Festakt der Danksagung (Te Deum) "die Korruption und die Straflosigkeit" als wichtigste politische Herausforderungen hervor.

Im Anschluss weihte Lugo den staatlichen Fernsehkanal "TV Pública" ein, welcher in einer Kooperation mit Japan initiiert wurde, offiziell aber erst am 15. August auf Sendung geht. Man wolle den Sender nicht als Komplizen der Regierung installieren, sondern zur Unterstützung einer demokratischen Gesellschaft, erklärte Lugo.

Am Nachmittag fand eine Militärparade statt, bei der erstmals auch Reservisten mitmarschierten, unter ihnen Vizepräsident Federico Franco. An gleicher Stelle zelebrierte am Abend ein Umzug folkloristischer Delegationen aus Paraguay, Lateinamerika und anderen Teilen der Welt die Unabhängigkeit.

Nach einer kurzen Festsitzung des Kongresses, an der neben Parlamentariern aus Chile und México auch palästinensische Abgeordnete teilnahmen, kam es am Sonntag Mittag zum Hauptakt.

Im Haus der Unabhängigkeit, dem geheimen Versammlungsort der Mairevolutionäre von 1811 gedachte Lugo in einer 20-minütigen Rede denselben und beschwor die nationale Einigkeit. "Was kostet es uns, uns an den Tisch des Dialogs zu begeben, [...] um eine nationale Zukunft zu entwerfen, welche die wichtigsten Punkte umfasst und sowohl von den großen politischen Institutionen als auch der Bevölkerung getragen wird?", fragte er. Das stellt einen eindeutigen Hinweis in Richtung der liberalen Koalitionspartner um Vizepräsident Franco dar, ohne deren Unterstützung politische Reformen, nicht zustande kommen können.

Am Rande der Feierlichkeiten kam es zu einer Reihe bilateraler Gespräche. So führten Morales, Mujica und Lugo die im letzten Jahr aufgenommenen Gespräche um eine energetische Zusammenarbeit fort. Auf einer Pressekonferenz dementierte Boliviens Staatsoberhaupt Morales gleichfalls Medienberichte, die von einer Militarisierung des Grenzgebietes sprachen.

Präsident Lugo reist bereits heute zu einem Staatsbesuch nach Deutschland, wo er sich außer mit Angela Merkel und Christian Wullf auch mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann treffen wird. Die Festivitäten zur Unabhängigkeit dauern noch bis zum Monatsende an.

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