Paraguay / Soziales

Paraguays De-facto-Regierung hält Versprechen nicht ein

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"Den Willen des Volkes respektiert man. Lugo 2008 – 2013"
"Den Willen des Volkes respektiert man. Lugo 2008 – 2013"

Asunción. Am vergangenen Donnerstag protestierten mehr als 200 Lehrkräfte der Alphabetisierunskampagne "Paraguay liest und schreibt" gegen die neue

Regierung unter Federico Franco. Die Lehrkräfte forderten vom Ministerium für Bildung und Kultur die sofortige Auszahlung der ausstehenden Gehälter für die letzten vier Monate, die ihnen zum 31. Oktober versprochen worden war.

Die Alphabetisierungskampagne wurde unter dem demokratisch gewählten Präsidenten Fernando Lugo ins Leben gerufen und hatte in den letzten Jahren erste große Erfolge vorweisen können. Sie richtet sich in erster Linie an ältere Menschen, aber auch Kinder der ärmeren Bevölkerungsschichten, die bisher kaum Zugang zu Bildungseinrichtungen hatten.

Die Lehrer kamen am Mittwoch aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt Asunción und nächtigten auf dem Gelände des Obersten Institutes für Bildung. Wie Teilnehmer der Protestveranstaltung gegenüber der Korrespondentin der Ultima Hora, Teresa Domínguez, berichteten, verweigerten ihnen dabei die Mitarbeiter den Zugang zu den sanitären Einrichtungen des Instituts.

Am Donnerstag blockierten die Lehrkräfte dann für etwa 10 Minuten die Avenida Ayola, eine der verkehrsreichsten Hauptstrassen in Asunción. Die Strassenblockade wurde von der Polizei durch Einsatz eines Wasserwerfers beendet.

Die etwa 700 Lehrer der Alphabetisierungskampagne bekommen ein monatliches Gehalt von 700.000 Guaranis (ca. 118 Euro), das mehr als die Hälfte unter dem gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn in Paraguay liegt.

De-facto-Präsident Federico Franco hatte noch kurz nach seiner Amtsübernahme erklärt, dass er die von der vorherigen Regierung begonnenen Sozialprogramme unverändert fortführen werde. Diese Aussage, die er ausdrücklich vor der 67.UN-Vollversammlung Anfang Oktober bekräftigte, steht im Widerspruch zu den anhaltenden Protesten sozialer und anderer Bewegungen aufgrund ausbleibender Zahlungen in den letzten Monaten seit seinem Amtsantritt.

Sein rechtsliberaler Finanzminister, Manuel Ferreira, hatte letzte Woche vor dem Senat behauptet, dass die Regierung in einer akuten Finanzkrise stecke, obwohl die Regierung unter Fernando Lugo einen gut sanierten Haushalt hinterließ.

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