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Spaniens Konsul lobt Verfahrensführung gegen Carromero

Bayamo. Im Prozess gegen den spanischen Jungpolitiker Ángel Carromero vor dem Provinzgericht im ostkubanischen Bayamo hat die Staatsanwaltschaft am vergangenen Freitag eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Das Urteil wird bis zum 15. Oktober erwartet.

In der Verhandlung hatten zahlreiche Zeugen und der Beschuldigten selbst bestätigt, dass er am 22. Juli als Fahrer eines Leihwagens einen Unfall verursacht hatte, bei dem seine Mitfahrer, die Systemgegner Oswaldo Payá und Harold Cepero, ums Leben kamen. Carromero sagte aus, er habe die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, das schließlich gegen einen Baum geprallt sei. Zum Zeitpunkt des Unfalls war er mit extrem überhöhter Geschwindigkeit gefahren und besaß keine gültige Fahrerlaubnis.

Der 27-jährige Spanier ist stellvertretender Vorsitzender der Jugendorganisation der regierenden Volkspartei (Partido Popular, PP) in Madrid. Er und der gleichaltrige Schwede Jens Aron Modig waren am 19. Juli mit Touristenvisum eingereist. Nach eigenen Aussagen überbrachten sie Oswaldo Payá 4.000 Euro Bargeld und Materialien für den Aufbau einer oppositionellen Jugendorganisation. Der Unfall ereignete sich auf dem Weg zu einem Treffen mit anderen Oppositionellen im Osten Kubas. Der Schwede Modig konnte bereits kurz nach dem Unfall ausreisen.

An der Verhandlung in Bayamo am 5. Oktober hatten zahlreiche in- und ausländische Journalisten, Vertreter von Carromeros Familie und Diplomaten teilgenommen. Nach einer Meldung der spanische Nachrichtenagentur EFE bezeichnete Madrids Generalkonsul auf Kuba, Tomás Rodríguez Pantoja, das Verfahren als "korrekt, rechtlich sauber und prozessual einwandfrei". Der Diplomat hob besonders die gute Behandlung des Angeklagten durch die kubanischen Behörden hervor. Er forderte alle Beteiligten auf, jetzt "mit Besonnenheit und Geduld" das Urteil abzuwarten. Ein geplanter Auftritt der Bloggerin Yoani Sanchez wurde von den örtlichen Behörden verhindert. Sie wurde von der Polizei nach Havanna zurücktransportiert, da ihr eigenes Auto nach Angaben der kubanischen Behörden nicht fahrtüchtig war.

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