Paraguay / Politik

Fernando Lugo: "Wollte Blutvergießen vermeiden"

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Fernando Lugo im Interview mit RT
Fernando Lugo im Interview mit RT

Asunción/Moskau. Der ehemalige Präsident von Paraguay, Fernando Lugo, hat sich der umstrittenen Absetzung durch das oppositionell dominierte Parlament nach eigenen Angaben zunächst gefügt, um einen schweren politischen Konflikt zu vermeiden.

In einem Interview mit dem russischen Auslandsfernsehsender Russia Today (RT) sagte der Linkspolitiker, er habe Informationen gehabt, nach denen Zusammenstöße provoziert werden sollten, die ein Massaker bedeutet hätten. Er habe kein Risiko eingehen wollen, dass es zu Blutvergießen kommt. Dadurch sei im ersten Moment nach der Absetzung der Eindruck entstanden, dass er keinen Widerstand gegen den parlamentarischen Staatsstreich habe leisten wollen.

Davon abgesehen kämpfe nun die "Frente Grande", ein Zusammenschluss von zwölf Parteien und acht sozialen Bewegungen juristisch und politisch gegen die "illegale Absetzung", so Lugo. Für ihn stehe dabei fest, dass es keine unabhängige Justiz in Paraguay gebe und deshalb von dieser Seite keine Rücknahme der Absetzung zu erwarten sei.

Seiner Auffassung nach war der "parlamentarische Staatsstreich" von den etablierten Parteien der Oberschicht geplant. Sie hätten nicht akzeptieren können, dass ein Priester, der die einfachen Menschen hinter sich hat, ihren Platz eingenommen hatte. Die größte Gefahr sehe die Opposition in der möglichen Umverteilung von Land in Paraguay. Zwei Prozent der Bevölkerung besitzen 82 Prozent des Landes. Wer diese Verteilung ändern wolle, den erwarte das gleiche Schicksal wie ihn, so Lugo.

Ein im letzten Jahr von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichtes Dokument der US-Botschaft in Paraguay deckte auf, dass es schon 2009 Gerüchte über einen Sturz von Lugo und der Einsetzung von Federico Franco als neuen Präsidenten gab. Lugo erfuhr von dem Dokument erst durch Wikileaks, wies aber darauf hin, dass es seit seinem Amtsantritt 2008 viele Versuche gegeben habe, ihn abzusetzen.

Befragt zu der Anerkennung von Federico Franco durch den Vatikan und durch die deutsche Regierung wies er darauf hin, dass die direkten Nachbarn Paraguays den neuen Präsidenten nicht anerkennen. Das sei wichtiger als die Meinung einiger entfernter Staaten.

Lugo ging auch auf die Rolle der Medien, der internationalen Institutionen wie Unasur, Mercosur und der EU ein und sprach über die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr. Das vollständige 20-minütige Interview bei RT findet sich im Internet auf Spanisch und Englisch.

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