Belagerungszustand in Santa Cruz Barillas nach 18 Tagen aufgehoben

Guatemala-Stadt. Die gualtemaltekische Regierung hat den Ausnahmezustand in der Region von Santa Cruz Barillas zurückgenommen. Bereits am Samstag verließen daraufhin die stationierten 480 Soldaten und 350 Polizisten unter Beifall der lokalen Bevölkerung nach 18 Tagen die indigene Gemeinde im Departament Huehuetenango.

Zuvor wurden seitens der Streit- und Ordnungskräfte 15 Personen festgenommen, welche an den Unruhen am 1. Mai beteiligt gewesen sein sollen. Dabei hatten Dorfbewohner einen naheliegenden Militärstützpunkt angegriffen und Waffen entwendet. Vorausgegangen war der Mord an einem Aktivisten, der sich gegen das Staudamm-Projekt des spanischen Unternehmens Hidro Santa Cruz S.A. engagiert hatte. Zwei weitere Aktivisten überlebten den Mordanschlag schwerverletzt.

Die Präsenz bewaffneter staatlicher Einheiten hat sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene für Proteste gesorgt. Knapp 600 Personen hatten in einem gemeinsamen Schreiben an Präsident Pérez Molina ein Ende des Belagerungszustandes gefordert, welcher die lokale Bevölkerung an Szenarien des 36 Jahre andauerenden guatemaltekischen Bürgerkriegs erinnern ließ. Nach Angaben einer Dorfbewohnerin seien bereits Anfang Mai knapp 25 Familien aus Angst vor staatlicher Repression in die umliegenden Berge geflohen.

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Staatspräsident Pérez Molina hatte in dem Zusammenhang jegliche Anschuldigungen von sich gewiesen, nach denen Militär und Polizei Menschenrechtsverletzungen in Santa Cruz Barillas begangen haben sollen.

Der Konflitk in Santa Cruz Barillas steht stellvertretend für die Probleme der Förderung von wirtschaftlichen Großprojekten in Zentralamerika, die die Ausbeutung natürlicher Ressourcen forcieren. Die jeweilige lokale – und oftmals indigene – Bevölkerung widersetzt sich den Plänen und verweist auf den Artikel 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, welcher indigenen Gruppen Rechte auf Autonomie und Selbstbestimmung zuräumt. Unter Verweis auf wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt wird dies von den Regierungen Zentralamerikas jedoch immer wieder übergangen – so auch in Santa Cruz Barillas.

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