Guatemala: Ex-Militär zu 6.060 Jahren Haft verurteilt

Guatemala. In Guatemala ist der Ex-Militär Pedro Pimentel wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und seiner Beteiligung an einem Massaker im Norden des Landes zu 6.060 Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Elitesoldat und Ausbilder ist damit das fünfte Mitglied einer guatemaltekischen Spezialeinheit mit dem Namen "Kaibiles", das für ein brutales Verbrechen am 7. Dezember 1982 in der Ortschaft Las Dos Erres zur Rechenschaft gezogen wird. Die Armeeeinheit hatte unter der Diktatur des Generals José Efraín Ríos Montt (1982-1983) in dem Dorf 201 Menschen auf brutalste Weise ermordet.

Das Gericht verhängte somit, wie schon in den Prozessen gegen die anderen Beteiligten, 30 Jahre Haft für jedes Opfer und 30 weitere Jahre für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Da die maximale Haftdauer in Guatemala 50 Jahre beträgt, wird der heute 55-jährige Pimentel somit wohl nie wieder in Freiheit leben. Er war erst 2011 von den USA ausgeliefert worden und plädierte noch Stunden vor der Urteilsverkündung auf unschuldig. Er sei am Tag des Massakers in die Ehrengarde der Armee aufgenommen worden und habe sich somit in der Hauptstadt und nicht in Las Dos Erres befunden. "Ich bin hier, um abzustreiten, dass ich teilgenommen habe", sagte Pimentel und fügte hinzu, dass er, wie die Angehörigen der Opfer auch, auf Gerechtigkeit hoffe. Er sei "reinen Gewissens", da er nie an einem Verbrechen teilgenommen habe. Diesen Aussagen haben jedoch andere Ex-Militärs widersprochen. César Franco und Fabio Pinzón sagten in anderen Prozessen aus, dass der Verurteilte mit ihnen in dem Dorf gewesen sei und ihnen sogar gezeigt habe, wie sie eine Person zu töten hätten.

Das Urteil ist wohl auch für seinen Symbolcharakter zu beachten und ist ein wichtiger Teil des guatemaltekischen Aufarbeitungsprozesses des von 1960-1996 andauernden Bürgerkrieges. Während des jahrzehntelangen bewaffneten Konfliktes war gut eine Viertelmillion Menschen verschwunden und ermordet worden. Dabei sollen vor allem die von den USA unterstützten Streitkräfte und Todesschwadronen für die meisten Toten verantwortlich gewesen sein. Zu diesem Ergebnis kam eine nach nach Kriegsende eingesetzte Wahrheitskommission.

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