Chilenische Aktivisten beenden Rundreise in Berlin

dsc08031_0.jpg

Camila Vallejo, Jorge Murúa und Karol Cariola (von links)
Camila Vallejo, Jorge Murúa und Karol Cariola (von links)

Berlin. Die Aktivisten der chilenischen Protestbewegung Camila Vallejo, Karol Cariola und Jorge Murúa haben ihre zweiwöchige Europa-Rundreise beendet. Am gestrigen Mittwoch sprachen sie bei einer Abschlussveranstaltung im Audimax der Humboldt Universität in Berlin. Drei Monate zuvor hatte hier der chilenische Präsident Sebastián Piñera, der weltweit für sein hartes Vorgehen gegen die Studentenproteste kritisiert wird, auf einer Privatveranstaltung gesprochen.

Auf der Veranstaltung, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert wurde, hoben die Aktivisten die Vielfalt der chilenischen Protestbewegung hervor und kritisierten den antidemokratischen Stil der chilenischen Regierung. Dabei widersprachen sie einer Reduzierung ihrer Bewegung auf reine Bildungsproteste. Paula Rauch, Geschäftsführerin des Hochschulverbands der Linkspartei (Die Linke SDS), und das GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller erweiterten die Diskussion um deutsche sowie europäische Perspektiven. Rauch kündigte zwar auch in Deutschland weitere Proteste an, sieht die weniger brisante Situation in Deutschland allerdings als unvergleichbar mit der in Chile. Keller forderte hingegen weltweite Proteste, eine Weltkonferenz zur Überwindung des neoliberalen Bildungsmodells und warnte vor "globalen Playern" wie IWF, OECD und WTO.

Seit Juni 2011 protestieren Studierende, Bildungsarbeiter und Gewerkschaften in Chile für ein gerechteres Bildungssystem. Zwischenzeitlich erreichten die Proteste laut Studierendenverband über eine halbe Million Teilnehmer.
Einen tragischen Höhepunkt verzeichneten die Proteste, als im August vergangenen Jahres ein 16-jähriger Schüler bei den Protesten von der Polizei erschossen wurde. An einer selbstorganisierten Volksbefragung nahmen im Oktober mehr als 1,5 Millionen Chilenen teil, etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Mit überwältigender Mehrheit stimmten sie für die Forderungen der Protestbewegung.

In dem Land mit dem teuersten Bildungssystem der Welt starten die Hochschulabsolventen im Durchschnitt mit etwa 60.000 US-Dollar Schulden ins Berufsleben.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr