Bolivien: Protestmarschierer lassen Minister sitzen

San Borja, Bolivien. Im Streit um den Bau einer Nationalstraße durch das indigene Territorium TIPNIS in Bolivien bleiben die Fronten verhärtet. Eine Regierungsdelegation mit Innenminister Sacha Llorenti an der Spitze war gestern in die Stadt San Borja (Departement Beni) gekommen, um mit den Protestierenden zu sprechen, die sich seit zweieinhalb Wochen auf einem Marsch zum Regierungssitz La Paz befinden. Man habe den ganzen Tag gewartet, aber die Stellungnahmen der Anführer der Proteste gegenüber den Medien lasse vermuten, dass es zu keinen neuen Verhandlungen kommen werde, sagte die Ministerin für Autonomie, Claudia Peña, auf einer Pressekonferenz nach einigen Stunden in San Borja.

Präsidentschaftsminister Carlos Romero, der ebenfalls Mitglied der Delegation war, verwies darauf, dass Verhandlungen der einzige Weg zur Lösung des Problems seien. Die Regierung habe ihre Bereitschafts dazu mehrfach bewiesen. Der Protest richtet sich gegen einen Abschnitt der neuen Nationalstraße vom Departement Cochabamba nach Beni, der durch das "Indigene Territorium Nationalpark Isiboro Sécure" führen soll. Sie fürchten unter anderem illegale Abholzungen, die Ausbreitung des Kokaanbaus sowie des Kokainhandels.

Erste Gespräche mit der Regierung waren am Freitag vergangener Woche von den Protestierenden abgebrochen worden. Nach Vorwürfen von Präsident Evo Morales und einigen seiner Regierungsmitglieder gegenüber den Marschierern, sie würden von den USA unterstützt, hatten sich die Fronten verhärtet und andere indigene Oppositionsgruppen sich mit den beiden maßgeblich für den Protest verantwortlichen Organisationen der Indigenen des Tieflands (CIDOB) und der Versammlung des Volkes der Guaraní (APG) solidarisiert.

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