Haiti

Haiti: Mehr Hilfe nötig

Tausende Haitianer werden sterben, wenn die USA ihre Hilfsanstrengungen nicht verstärken

Am 10. März entschuldigte sich Ex-Präsident Bill Clinton für die Rolle, die seine Regierung bei der Zerstörung eines Großteils der haitianischen Landwirtschaft gespielt hatte: "Es mag vorteilhaft gewesen sein für einige unserer Farmer in Arkansas, aber es hat nicht funktioniert (...) Ich muss jeden Tag damit leben, dass mein Tun zum Verlust der Fähigkeit geführt hat, eine Reisernte in Haiti zu ermöglichen und dieses Volk zu ernähren."

Anfang der 1980er Jahre vernichtete subventionierter US-Reis die Existenz Tausender Reisbauern auf Haiti und ließ das Land abhängig werden von Lebensmittelimporten.

Clintons Entschuldigung ist wichtig und stellt eine Chance dar, die Politik der USA gegenüber Haiti zu verändern, die eine Hauptursache für das Leid in dem hoffnungslos armen Land gewesen ist.

Die derzeitige Hilfsmaßnahme muss dringendst aufgestockt werden, um den 1,3 Millionen obdachlosen Haitianern unverzüglich zu helfen, bevor Tausende in der Regenzeit oder durch Orkane getötet werden. Nach einem relativ kurzen Regenschauer am 19. März gab es Bilder von Haitianern, die sich in armseligen Lagern durch den Schlamm kämpfen, um zu verhindern, dass sie von den Fluten überschwemmt werden.

Die Regenzeit beginnt gerade erst und es wird weit schlimmer kommen, besonders für mehr als 200.000 Obdachlose in 29 Lagern, die von heftigen Regenfällen weggeschwemmt werden könnten.

Danny Glover ist Schauspieler und Vorsitzender des TransAfrica Forums. Beide, er und TransAfrica, sind seit vielen Jahren tätig, um Haiti zu helfen. "Es ist nicht einleuchtend, dass man den Leuten nicht einmal Zelte zur Verfügung stellen kann, zweieinhalb Monate nach dem Erdbeben", erklärte er mir in Washington. Tatsächlich ergibt es keinen Sinn: die benötigten Zelte kosten etwa 100 $ pro Stück; auch wenn wir die von der Regierung angeforderte Zahl von 200.000 Zelten verdoppeln, betragen die Kosten von 40 Millionen Dollar nicht einmal zwei Prozent der öffentlichen und privaten Spenden aus den USA und anderen Ländern.

Der Kongress muss den Druck verstärken durch die sofortige Ankündigung seine Aufsichtsfunktion zu erfüllen, ergänzt durch Anhörungen und einen Bericht darüber, wie die US-Dollars der Steuerzahler und privaten Stiftungen in Haiti ausgegeben wurden. Das würde größeren Organisationen und Vertragspartnern der US-Regierung einigen Anreiz bieten, Tausenden von Haitianern zu helfen, bevor sie in der im Juni beginnenden Regenzeit und Orkansaison zu Tode kommen.

Das Unternehmen Chemonics erhielt mehrere Verträge von insgesamt über zehn Millionen Dollar durch USAID (United States Agency for International Development). Es ist eine Tochterfirma von ERLY Industries, die auch Mutterkonzern der American Rice Corporation sind, einem Hauptnutznießer jener Politik, für die sich Clinton entschuldigte.

Das amerikanische Rote Kreuz hat schätzungsweise ein Drittel der Dollarmilliarden erhalten, die US-Hilfsorganisationen für Haiti gesammelt hatten. Es war in den vergangenen Jahren in einige Skandale verwickelt, wo Hunderte Millionen Dollar an Spendengeldern nicht für die konkreten Hilfsmaßnahmen ausgegeben wurden, für die man sie eingenommen hatte.

Die dringendsten Bedürfnisse sind klar: zusätzlich zu den notwendigen Unterkünften und Umsiedlungsmaßnahmen muss mehr Hilfe außerhalb von Port-au-Prince bereit gestellt werden, damit die Menschen eher in der Lage sind, anderswo zu leben. Zudem ist mehr Agrarhilfe für die laufende Pflanzsaison dringend erforderlich.

Die internationale Gemeinschaft stellt gegenwärtig die meisten Nahrungsmittel für Haiti bereit. Sie sollte sich verpflichten, wenigstens in dieser und der nächsten Saison die vor Ort produzierte Reisernte zu einem gewinnbringenden Festpreis aufzukaufen, bevor irgendwelcher Importreis verteilt wird.

Wie in der Vergangenheit geschehen, drückt importierter Reis derzeit den Preis für lokalen Reis und kann den Bauern das Überleben schwer oder unmöglich machen.

Die Regierung von Haiti braucht zudem Unterstützung des Staatshaushaltes. Gegenwärtig erhält sie nur einen winzigen Bruchteil an Geldern von der US-Regierung, nicht annähernd genug, um als arbeitsfähige Regierung den Kraftaufwand zu leisten, der für den Wiederaufbau nötig wäre.

Es ist sowohl falsch als auch kontraproduktiv zu versuchen, die Haitianer von einem Mitspracherecht für die Zukunft ihres eigenen Landes auszuschließen.


Mark Weisbrot ist Co-Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und Politikforschung (Center for Economic and Policy Research) in Washington, D.C. Den Doktorgrad in Wirtschaftswissenschaften erhielt er an der Universität Michigan. Er hat zahlreiche Forschungsarbeiten über Wirtschaftspolitik verfasst, vor allem zu Lateinamerika und internationaler Wirtschaftspolitik. Zudem ist er Mitverfasser von Dean Baker's "Social Security: The Phony Crisis" (University of Chicago Press, 2000) und Präsident von Just Foreign Policy, einer Initiative, die sich für gerechte Außenpolitik einsetzt.

Die Übersetzung wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt von unserem Partnerportal womblog.de.

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