Kampagne "Leben statt Kohle" ‒ Weltweite Solidarität mit den Opfern des Kohleabbaus

Appell der Kampagne #LifeNotCoal (Leben statt Kohle), dem sich über 160 Organisationen aus 30 Ländern in vier Kontinenten angeschlossen haben.

Herrn Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

Frau Michelle Bachelet, Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte

Herrn Ian Fry, UN-Sonderberichterstatter für den Schutz der Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Frau Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission

Herrn Olaf Scholz, Bundeskanzler Deutschlands

Herrn Iván Duque Marquez, Präsident der Republik Kolumbien

4. Mai 2022

Wir fordern ein Ende der Ausweitung extraktivistischer Aktivitäten und systematischer Menschenrechtsverletzungen gegenüber indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften auf kolumbianischem Territorium - wir rufen die Mitgliedsstaaten und die UNO dazu auf, sofort einzugreifen und die Betroffenen zu unterstützen.

Als zivilgesellschaftliche Netzwerke, Kollektive und Nichtregierungsorganisationen, die sich dem Schutz der Menschenrechte und der Umwelt verschrieben haben, lehnen wir die Bedrohung des Rechts auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt im indigenen Gebiet der Wayuu in La Guajira, Kolumbien, entschieden ab und verurteilen den Kohleabbau als andauernde Bedrohung für die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5°C.

Am 6. April 2022 wurde vereinbart, den Import kolumbianischer Kohle nach Deutschland zu erhöhen, um auf die gegen Russland verhängten Sanktionen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine zu reagieren. Dadurch ersetzt Deutschland seine Nachfrage nach russischer Kohle mit verstärkter Exploration und Ausbeutung im Gebiet des Wayuu-Volkes. Die wachsende Nachfrage nach kolumbianischer Kohle verleiht El Cerrejón, der größten Kohlemine Lateinamerikas, neuen Auftrieb, nachdem sie im vergangenen Jahr aufgrund der geringen Nachfrage ihre Schließung angekündigt hatte. Nun soll jedoch die Kohleproduktion in El Cerrejón erhöht werden um unter anderem die deutsche Nachfrage nach dem Material zu decken. Einen Tag nach der Vereinbarung zwischen Olaf Scholz und Iván Duque erhielt El Cerrejón von der kolumbianischen Regierung die Erlaubnis, den Bruno-Bach umzuleiten und das in seinem Flussbett liegende Erz abzubauen.

Historisch gesehen war der Bruno-Bach nicht nur eine Quelle des Wassers und des kulturellen und spirituellen Wohlergehens der in diesem Gebiet lebenden indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften, sondern er gilt auch als biologischer Korridor zwischen Perijá und der Sierra Nevada de Santa Marta. Die hier lebenden Gemeinschaften haben bereits dauerhafte und unumkehrbare Verluste und Schäden an ihren Lebensgrundlagen, ihren Häusern und ihrem Territorium sowie einen Verlust der Kultur, Identität und biologischen Vielfalt erlitten, die sich nicht mit Geld messen lassen. Die Ausdehnung der Bergbaugrenze wird den Bergbaukorridor La Guajira-Cesar in eine Umwelt- und Gesundheitskrise stürzen, da der Ausstoß von Feinstaub in die Luft über die nach den nationalen Rechtsvorschriften und internationalen Normen zulässigen Werte hinaus ansteigen wird.

Die letzten Berichte des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) haben eindeutig bestätigt, dass die aktuellen Herausforderungen der Entwicklung, die zu einer hohen Anfälligkeit führen, durch eine systematische und historisch anhaltende Ungerechtigkeit beeinflusst werden. Dies betrifft insbesondere viele indigene Völker, Afro-Kolumbianer:innen und lokale Gemeinschaften. In jüngsten Berichten wird der Wert verschiedener Formen von Wissen, wie wissenschaftliches, indigenes und lokales Wissen, für das Verständnis und die Bewertung von Klimaanpassungsprozessen und Maßnahmen zur Verringerung der Risiken des vom Menschen verursachten Klimawandels anerkannt.

Wir stehen solidarisch hinter den Anführer:innen und ihren Familien, die Opfer von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen werden, und fordern, dass notwendige und dringende Maßnahmen zum Schutz ihres Lebens und ihrer körperlichen Unversehrtheit ergriffen werden. Die Solidarität mit den indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften Kolumbiens erfordert internationale Aufmerksamkeit und Druck, damit ihre Anliegen Gehör finden und eine Einigung zur Beendigung des derzeitigen sozialen und ökologischen Konflikts erzielt werden kann. Mehrere Organisationen fordern daher die deutsche und die kolumbianische Regierung sowie die internationale Gemeinschaft dazu auf:

Schneller und fairer Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, um die Erderwärmung auf unter 1,5°C zu begrenzen

Die zentrale Botschaft des IPCC ist eindeutig: Der menschliche Einfluss auf das Klima ist eindeutig, beispiellos und unumkehrbar. Demnach haben wir 30 Monate Zeit, um die erforderlichen Änderungen in den Produktions- und Verbrauchsmustern vorzunehmen, bevor wir in ein großes Chaos geraten. Die Fortsetzung einer wahllosen Ausbeutung indigener und afro-kolumbianischer Gebiete zur Förderung einer auf fossilen Brennstoffen basierenden Wirtschaft ist nicht der Weg, um die Erwärmung auf 1,5°C zu halten. Wenn wir katastrophale Schäden für das 2 Klimasystem, die Natur und die Gesellschaft vermeiden wollen, müssen wir die Ausbeutung, die Investitionen und die Förderung fossiler Brennstoffe sofort stoppen und diese Quellen durch dezentrale und nachhaltig erzeugte erneuerbare Energien ersetzen. Es ist zwingend erforderlich, dass die Bundesregierung ihre Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen nicht nur im Inland, sondern auch im internationalen Kontext einhält.

Die historische Verantwortung für die Umweltverschmutzung übernehmen, die durch jahrzehntelanges bewusstes Taktieren der fossilen Energiewirtschaft entstanden ist

Dies ist ein Aufruf an die deutsche Regierung, sich der historischen und aktuellen Verantwortung gegenüber den indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften auf kolumbianischem Gebiet zu stellen, die die Folgen des Kohleabbaus in ihrem Heimatland für das nicht nachhaltige Energiesystem in Deutschland erlebt haben. Die daraus resultierende Klima-, Wirtschafts- und soziale Krise trifft in erster Linie die Menschen, die nicht zur Verschlechterung der von ihnen bewohnten Ökosysteme beigetragen haben. Die Zivilgesellschaft fordert eine angemessene Entschädigung für die sozialen und ökologisch entstandenen Schäden, basierend auf dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung im Rahmen der Klimagerechtigkeit.

Gewährleistung des Rechts auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt

Die Entscheidungen über die Ausweitung der Bergbauaktivitäten in La Guajira und die Umleitung des Bruno-Stroms wurden nicht im Einvernehmen mit den indigenen und afro-kolumbianischen Wayuu-Gemeinschaften des Gebiets getroffen. Dies und die zunehmenden Drohungen, Schikanen, Verfolgungen und Diskreditierungskampagnen gegen die Anführer:innen der Gemeinschaften gefährden die Unversehrtheit der Menschen und Ökosysteme in diesem Gebiet in hohem Maße. Ein gerechter Wandel muss mit dem Schutz der betroffenen Menschenrechts- und Umweltaktivist:innen beginnen. Die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine darf nicht auf Kosten der indigenen Völker der Wayuu und der afro-kolumbianischen Gemeinschaften in Kolumbien gehen. Es ist an der Zeit, dass Staaten mit konkreten Maßnahmen für den Frieden und eine nachhaltige Zukunft für alle Menschen eine Führungsrolle übernehmen - in der Europäischen Union, in Kolumbien, weltweit.

Jetzt oder nie!

Die folgenden Organisationen unterstützen:

Germany

1. Women Engage for a Common Future

2. Unidas por la Paz Alemania

3. Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.

4. Aluna Minga e.V

5. Fridays For Future

6. Kolumbienkampagne Berlin

7. COLPAZ Bonn

8. kolko - Menschenrechte für Kolumbien e. V.

9. Oigo Paz e.V., Alemania

10. MISEREOR

11. Caleidoscopio Latino Cultural, Potsdam

12. Bloque Lationoamericano Berlín

13. Förderverein Lernen Wissen Leben - soziale Vernetzung Deutschland Kolumbien

e. V.

14. Galería Wildpalms

15. Was ist los Kolumbien

16. Miranda, iniciativa estudiantil de Frankfurt am Main

17. CAL - Colectivo Anticolonial Latinoamericano, Frankfurt am Main

18. Bloque Latoniamericano Berlín

19. Colombianxs En Freiburg - Colectivo la Olla

20. FAU Erlangen

21. Hfm Nürnberg

22. Foro America Latina de Berlin

23. FIAN Alemania

24. Patria Boba Münster

25. Red Colombia Rhein-Main

26. Sol Fraktal

27. Deutsch-palästinensische Gesellschaft

28. Wissenskulturen e.V.

29. Agenda Consult GmbH

30. Black Earth Kollektiv Berlin

31. Conuco

32. Decolonial Philosophy

33. FIAN International

34. Groots Consulting

35. Front of Anti Colonial/Capitalist/Cistem Queers

36. Klimabündnis Niederrhein

Colombia

37. Colectivo de Abogados José Alvear Restrepo - CAJAR

38. Pensamiento y Acción Social (PAS)

39. Tierra Poderosa, Bogotá

40. Juntanza de Mujeres de Cali

41. DEACHE

42. Sin Olvido

43. Comisión Intereclesial de Justicia y Paz

44. Somos Génesis Red

45. Asociación Genaro Sanchez, Pueblo Kokonuko - CRIC

46. Fundación Chasquis

47. Colectivo Sur Cacarica

48. AGROSOLIDARIA

49. Asociación Cusiana Ecosolidaria

50. Corporación ECATE

51. Corporación trabajadores por la tierra

52. Corporación Colectivos de Abogados Suyana Cali y Buga

53. Movimiento nacional de víctimas de corporaciones multinacionales

54. Asociación UPPAA - Unión para la protección animal y ambiental, Pereira

55. Nube de ideas investigación educativa

56. Movimiento Somos Más

57. JAC barrio Santiago

58. MOVICE Meta

59. Eficiencia energética

60. Semillero de Investigación en Transición Energética de la Universidad del Magdalena

61. Freunde der Erziehungskunst Rudof Steiner

62. Fundacion Barranquilla+20

63. ISS

64. Asosciacion de Sindicalistas de Emcali ASOSIEMCALI

65. FUERZA NACIONAL MAGISTERIAL FUNAMA

66. Aspu

67. Censat Agua Viva - Amigos de la Tierra Colombia

68. Fundacion Drecca

Argentina

69. Defendamos la Paz Argentina

70. Fundacion Plurales

Bangladesh

71. Bangladesh Indigenous Women's Network

Belgium

72. Nexus Human Rights - BRUXELLES

Burundi

73. SFBSP-Burundi

Brasil

74. Agenda Colombia

75. Núcleo de Pesquisa em Gênero e Economia NPGE

Canada

76. FIV Canadá

Chile

77. Raíces de Resistencia

78. Defendamos La Paz

79. Invisibles Por La Paz

Czech Republic

80. Limity jsme my, z.s.

Denmark

81. Colombia Solidarity Denmark

82. International Work Group for Indigenous Affairs (IWGIA)

Ghana

83. Abibinsroma Foundation

Honduras

84. Instituto para el Futuro Común Amerindio IFCA Kenya

85. Hope for Kenya Slum Adolescents Initiative

86. Tarumbeta Radio

87. Upeo community justice center

88. Oxfam Kenya

Spain

89. CARRERS DEL MÓN - DRETS HUMANS D’ ELX- ESPANYA

90. Asociación Cultural, Social y Empresarial de Hispanoamericanos en Jávea y Valencia

91. Comité de Solidaridad con América Latina (COSAL) Xixon

92. Asociación Astur Cubana Bartolomé de las Casas Gijón

93. Asociación Pueblo y Dignidad Asturias

94. Corriente Sindical de Izquierda de Asturias

95. CEDSALA (Centro de Documentación y Solidaridad con América Latina y África), València

96. COSAL (Comité de solidaridad con América Latina) Asturias

97. Perifèries-País Valencià

98. Reds (Red de solidaridad para la transformación social) Barcelona

99. SOLdePAZ-Pachakuti Asturias

100. Colectivo de Colombianos/as Refugiados/as en Asturias

101. Programa Asturiano de atención a víctimas de la Violencia en Colombia

102. Comisión Ética Internacional por la Verdad - CEIV-Madrid

103. Colectivo Vida Paz y Justicia

104. Asociación de Solidaridad con Colombia KATIO

105. Comité de Solidaridad Internacionalista de Zaragoza

106. Colectiva de Mujeres Refugiadas, Exiliadas y Migradas

107. Asociación Freytter Romero Bilbao

108. Oxfam España

109. Jovenes Feministas Cardedeu

110. Centro para el Derecho Ambiental Internacional

111. Indigenous Environmental Network

112. Center for International Environmental Law

113. Chicago Religious Leadership Network on Latin America (CRLN)

114. GAWI

115. Gender Action

116. San Francisco Bay Physicians for Social Responsibility

117. Stony Brook University

118. Global African Workers Institute

119. International Society of Doctors for the Environment (ISDE)

120. School of Public Policy and Urban Affairs, Northeastern University

121. Washington Office on Latin America

France

122. Reacción Revista Digital París

123. La DCCAT - La Diaspora Culturelle Colombienne à Tours

India

124. Team Swachh Kalyani Nagar, Pune

International

125. Oxfam

126. Vamos por los Derechos Internacional

127. Campaña Let’s Defend Colombia

128. Equipo Claretiano ante la ONU

129. Defendamos la Paz Internacional

130. Congreso de los Pueblos - Europa

131. PDAI

132. Fossil Fuel Treaty Campaign

133. Alianza Global ConVida20

134. Servicio Internacional Cristiano de Solidaridad con los Pueblos de América Latina - Sicsal - Oscar Arnulfo Romero Internacional

135. Comisión de Crisis Climática de Convida20 - Internacional

136. EsDePolitologos

137. Environmental Justice Foundation

138. Red Antimilitarista de América Latina y el Caribe

Italy

139. Associazione Jambo- Fidenza

140. Rete Italiana Colombia Vive

Mexico

141. Servicios para una Educación Alternativa EDUCA A.C. Oaxaca

142. Colectivo por La Paz en Colombia desde México COLPAZ

143. Campaign of Campaigns

Nigeria

144. Young Professionals in Policy & Development (YouPaD)

145. The Netherlands

146. Citizen Diplomacy, Países Bajos

147. Cinema Colombiano

148. INLW and NGO

Peru

149. Water Justice and Gender

United Kingdom

150. Stamp Out Poverty

151. WILPF

Senegal

152. RECODEFSenegal

Switzerland

153. Colombia Humana Suiza

154. Acciones Internacionales

155. ask! - Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien

156. FIST Mujeres Migrantes internacionalistas solidarias en Zurich Suiza

157. Radio Lora

158. Assoc. int pour la paix de Colombie et le monde AIPAZCOMUN

Sweden

159. Organización Aluna

160. Socialdemocrata

Togo

161. ITUC-Africa

Uganda

162. Community Transformation Foundation Network (COTFONE)

163. Global Learning for Sustainability

Zimbabwe

164. South Feminist Futures

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