Cali. Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montagmorgen weite Teile Kolumbiens erschüttert. Das Beben ereignete sich um 7:34 Uhr Ortszeit und hatte sein Epizentrum nahe San José del Palmar im Departamento Chocó an der Pazifikküste. Nach Angaben des Servicio Geológico Colombiano ist es das stärkste Erdbeben, das Kolumbien seit den 1970er Jahren erlebt hat. Die Erschütterungen waren in neun Departamentos sehr stark und in allen 32 Departementoshauptstädten zu spüren. Auch in Ecuador und Panama wurde das Beben wahrgenommen.
Nach dem bisherigen Stand (Mittag Ortszeit) sind mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Viele Personen werden vermisst. Besonders stark betroffen sind die Städte Quibdó und Pereira. Quibdó ist die Hauptstadt des Chocó und nur schwer erreichbar. Aufgrund der chaotischen Lage gibt es aus der Region noch keine offiziellen Angaben. Weitere Tote wurden unter anderem in Manizales und Buenaventura registriert. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Rettungskräfte suchen weiterhin nach Personen, die unter eingestürzten Gebäuden eingeschlossen sind.
Auch die Sachschäden sind erheblich. In mehreren Städten stürzten Gebäude und Häuser teilweise oder vollständig ein. Auch in Cali wurden zahlreiche beschädigte und eingestürzte Gebäude gemeldet. Rettungsteams aus Bogotá und Medellín wurden zur Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte mobilisiert. Mindestens fünf große Krankenhäuser mussten allein in Cali evakuiert werden.
Auch die öffentliche Infrastruktur wurde beeinträchtigt. Mindestens neun Flughäfen, darunter die von Pereira, Cali und Manizales, wurden vorübergehend geschlossen, um die Start- und Landebahnen sowie die Gebäude auf Schäden zu überprüfen. Insgesamt kam es in verschiedenen betroffenen Regionen zu Unterbrechungen und erheblichen Behinderungen. Das Internet und die Stromversorgung sind in vielen Regionen ausgefallen.
Nach dem Hauptbeben wurden weitere Nachbeben registriert. Die Behörden warnen deshalb vor zusätzlichen Erschütterungen und haben die Bevölkerung aufgefordert, beschädigte Gebäude nicht zu betreten. Viele Menschen verweilen zurzeit auf den Straßen. Eine Tsunamigefahr wurde nach bisherigem Stand nicht festgestellt. Die Regierung hat angesichts des Ausmaßes des Bebens die Koordinierung der Rettungs- und Hilfsmaßnahmen verstärkt. Präsident Abelardo de la Espriella kündigte staatliche Unterstützung für die betroffenen Regionen an.


