Brasília/Washington. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva reagiert mit Gegenmaßnahmen auf den eskalierenden Handelskonflikt mit den USA. US-Präsident Donald Trump kündigte zuvor an, ab dem 1. August auf sämtliche brasilianische Importe einen Zusatz-Zoll von 50 Prozent zu erheben.
Am 14. Juli hat Lula das Dekret zur Umsetzung des Gesetzes über die Gegenseitigkeit im Handel unterzeichnet. Die neue Regelung ermächtigt Brasilien, Handelsmaßnahmen gegen Länder zu ergreifen, die einseitige Schranken für brasilianische Produkte auf dem Weltmarkt errichten. Das Gesetz wurde bereits im März vom Kongress verabschiedet und im April unterzeichnet. Zudem richtete Lula einen interministeriellen Ausschuss ein, an dem brasilianische Unternehmer:innen aus Industrie und Agrarwirtschaft beteiligt sind.
Der Nationale Industrieverband (Confederação Nacional da Indústria, CNI) warnt, dass der Moment "starke und energische Maßnahmen" erfordere, um die Situation sowohl intern als auch extern zu verändern.
"In der Außenpolitik brauchen wir Mäßigung und Ausgewogenheit, um die US-Zollpolitik zu umgehen. Wir müssen als Partnerland und als souveräne Nation über die Aufhebung der Zölle verhandeln. Es ist Aufgabe der brasilianischen Regierung, die Interessen der brasilianischen Gesellschaft zu verteidigen und dabei vor allem die Fallstricke der politischen Polarisierung zu vermeiden, die diese Episode aufwirft", so der CNI.
Auch wenn die angekündigten Zölle erst im kommenden Monat in Kraft treten, zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. Industrieunternehmen und Genossenschaften berichten von unmittelbaren Verlusten durch feststeckende Container in Häfen oder gekündigte internationale Verträge. Zu den betroffenen Sektoren zählen auch Betriebe der Fisch- und Honigproduktion, die nun die Folgen des Handelskonflikts zu spüren bekommen.
Nach Angaben des brasilianischen Fischerei-Verbands Abipesca wurden mindestens 58 Container mit 1.160 Tonnen Fisch, die für die USA bestimmt waren, nicht mehr abgenommen und mussten an die Erzeuger:innen zurückgegeben werden. Die Aussetzung der US-amerikanischen Käufe habe bereits die gesamte Produktionskette von der handwerklichen Fischerei bis zur Industrie beeinträchtigt.
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Ähnlich ergeht es auch den brasilianischen Honigbetrieben. Ihre Ware steckt ebenfalls in Häfen fest, was nicht nur hohe logistische Kosten zur Folge hat, sondern auch den Lebensunterhalt Tausender Beschäftigter in brasilianischen Genossenschaften und Kleinbetrieben gefährdet.
Auch der Kaffeesektor ist von den jüngsten Entwicklungen betroffen, sowohl der Abnehmermarkt USA als auch der inländische Markt des weltweit größten Kaffeeproduzenten. Für die USA selbst könnten die Zölle zu einer Erhöhung des nationalen Kaffeepreises führen.
In Brasilien hingegen hoffen viele auf sinkende Preise auf dem heimischen Markt und somit auf eine preisliche Wendung im Vergleich zum Vorjahr. Seit Januar des vergangenen Jahres hat sich der Preis für ein Kilo Kaffee verdoppelt, berichtet das brasilianische Institut für Geografie und Statistik (IBGE). Der gestiegene Kaffeeexport hat das Angebot im Inland verringert und die Preise dort unter Druck gesetzt.
Ein wesentlicher Grund für den Preisanstieg ist der gestiegene US-Verbrauch von brasilianischem Kaffee. Rund 20 Prozent der Nachfrage der US-Verbraucher:innen werden von brasilianischem Kaffee gedeckt. Von allen Kaffeeimporten der USA stammen 33 Prozent aus dem lateinamerikanischen Land.
Gerson Teixeira, Agrarwissenschaftler und Direktor der brasilianischen Agrarreformvereinigung (Abra), schätzt einen Rückgang des Kaffeepreises als kurzfristiges Phänomen ein, falls dieser eintreten sollte. Langfristig dürfte der brasilianische Kaffee neue Abnehmerländer finden, was wiederum das inländische Angebot verringern würde.

