Buenos Aires/Berlin. In einer digitalen Pressekonferenz der deutschen Umweltorganisation Urgewald haben Wissenschaftler und Vertreter der argentinischen Zivilgesellschaft vor möglichen ökologischen und sozialen Folgen des Ausbaus von Flüssigerdgasprojekten (LNG) im Golf von San Matías in Patagonien gewarnt. Die Veranstaltung fand am Dienstag vor dem Hintergrund laufender Diskussionen über eine mögliche deutsche Finanzgarantie für Energieprojekte in der Region statt.
Im Mittelpunkt stand die Befürchtung der Umweltorganisationen, dass die deutsche Bundesregierung eine sogenannte "Ungebundene Finanzkredit-Garantie" (UFK-Garantie) gewährt – ein staatliches Instrument zur Absicherung strategischer Projekte im Ausland. Nach Angaben von Urgewald könnte dies mit dem Abkommen zwischen dem deutschen Staatskonzern SEFE (Securing Energy for Europe), einem Energiekonzern mit Sitz in Berlin, und Southern Energy über die Lieferung von argentinischem LNG ab 2027 zusammenhängen.
Ana Victoria Domínguez Britos von der Kampagne Golfo Azul Para Siempre erklärte, dass die derzeit im Golf von San Matías geplanten Projekte auf fragmentierten Umweltverträglichkeitsprüfungen basierten und keine umfassenden Untersuchungen zu den kumulativen Auswirkungen auf lokale Gemeinden und Ökosysteme enthielten.
"Wir sprechen von mehr als 3.000 Seiten gescannter Dokumente, die schwer auszuwerten sind, ohne kumulative Bewertungen und ohne echte Beteiligung der betroffenen Gemeinden", sagte Domínguez Britos während der Pressekonferenz.
Die Aktivistin kritisierte zudem die Rolle internationaler Finanzinstitutionen. Umweltorganisationen hätten Kontakt mit Banken wie der Deutschen Bank, JP Morgan Chase und Banco Santander aufgenommen, um Informationen über mögliche finanzielle Verbindungen zu den Energieprojekten in Patagonien zu erhalten.
Der Meeresbiologe Mariano Sironi, wissenschaftlicher Direktor des Instituto de Conservación de Ballenas (Institut zum Schutz der Wale), präsentierte Daten zur ökologischen Bedeutung des Golfs von San Matías für verschiedene Meeresarten, darunter Wale, Delfine, Haie und wirtschaftlich relevante Weichtiere.
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Sironi betonte, dass das Gebiet nahezu 40 Prozent der Mollusken-Biodiversität des argentinischen Meeres beherberge. Zudem zeigten wissenschaftliche Untersuchungen aus mehr als fünf Jahrzehnten eine enge ökologische Verbindung zwischen dem Golf von San Matías und anderen Fortpflanzungs- und Migrationsgebieten von Walen im Südatlantik.
Der Forscher warnte davor, dass ein zunehmender Schiffsverkehr im Zusammenhang mit der LNG-Infrastruktur das Risiko von Kollisionen mit Walen sowie die Unterwasserlärmbelastung erhöhen könnte. Wale und Delfine seien stark auf akustische Kommunikation angewiesen, weshalb dauerhafte industrielle Aktivitäten ihr Verhalten und Wohlbefinden beeinträchtigen könnten.
Außerdem verwies Sironi auf mögliche Risiken durch steigende Wassertemperaturen und die Zunahme toxischer Algenblüten, sogenannte "Rote Tiden". Er erinnerte daran, dass 2022 auf der Halbinsel Valdés ein Massensterben von Südkapern, einer Walart aus der Familie der Glattwale, registriert wurde, das vermutlich mit von Algen produzierten Biotoxinen in Zusammenhang stand.
Domínguez Britos erklärte auf der Pressekonferenz auf Nachfrage von amerika21, dass die Genehmigungen hauptsächlich von Provinzbehörden erteilt würden und derzeit keine ausreichenden Mechanismen existierten, um die Gesamtwirkungen der verschiedenen Projektphasen von Southern Energy umfassend zu bewerten.
Abschließend sagte Sironi, dass die Debatte um den Golf von San Matías Teil einer breiteren Diskussion über das globale Energiemodell und die Umweltauswirkungen der fossilen Industrie sei.

